(ANTI- / Indigo)

Seit knapp zwanzig Jahren ist Matthew Stephen Ward, kurz M. WARD, einer der einflussreichsten und spannendsten Vertreter der Indie-Folk-Szene. Seine teils minimalistischen Ansätze, um Stimme und Gitarre (ob nun Akustik- oder E-Klampfe) zu einem erhabenen Erlebnis zusammenzubauen, sind beeindruckend und bewundernswert.

Sein zehntes Album hört auf den Namen "Migration Stories" und öffnet sich zwar soundtechnisch moderneren Stil-Elementen, glücklicherweise aber ohne die Authentizität zu verlieren. Gut zu sehen/hören beim verlinkten Video zu 'Unreal City', welches poppige und tanzbare Momente anbietet, immer noch im Underground werkelt und eine überzeugende Songidee mit großer Geste präsentiert. Sehr smart und eindrucksvoll.

Neben den zwei instrumental eingespielten Tracks 'Steven's Snow Man' und 'Rio Drone', die sich jeweils auf feine Gitarrenmomente reduzieren lassen, gibt es noch neun weitere Lieder, die das aktuelle Schaffen von M. WARD perfekt abbilden. Vielleicht ist es für traditionelle Folk-Hörer nicht ganz einfach den Weg von Herrn WARD mitzugehen, da er oft Pfade einschlägt, die überraschend und manchmal holprig sind, aber immer den (wenn auch komplizierten) (Um-)Weg Richtung Bauch und Hirn findet. Man muss sich für "Migration Stories" etwas Zeit mitbringen sowie den festen Willen, sich nicht von ungewöhnlichen, weil für Indie-Folk untypischen, Handlungen aus dem Konzept bringen lassen. Dann eröffnet man sich die Möglichkeit Songs wie 'Heaven's Nail And Hammer', 'Migration Of Souls' oder 'Independent Man' kennenzulernen, die neben "normalen" Genrebeiträgen wie 'Torch' oder 'Along The Santa Fe Trail' ihre Stärken ausspielen und das Album spannend gestalten.

Wer mit Bands, Projekten oder Personen wie Bright Eyes, Iron & Wine, Damien Jurado oder Will Oldham etwas anzufangen weiß, kennt M. WARD sowieso - und allen anderen sei dieser talentierte Singer/Songwriter dringend ans Herz gelegt.

Album-VÖ: 03.04.2020