(So Recordings/The Orchard)

ENTER SHIKARI waren schon immer eine Band der Gegensätze. Das ändert sich auch mit Studio-Album Nummer sechs in keinster Weise. Und so vereinen die Briten nicht nur eines der besten Alben im Musikjahr 2020 mit dem möglicherweise schlechtesten Albumcover des Jahres, sondern auch erneut viele – und dieses Mal sogar außerordentlich viele – Musikstile zu einem Soundmonster erster Güte.

Wenn ENTER SHIKARI für etwas stehen, dann dürfte das wohl vor allem ihre Genre-Grenzenlosigkeit sein. Auf diese Weise entwickelte die Band über die Jahre ihren ganz eigenen originellen Stil auf der Grundlage von Post-Hardcore, Elektrosounds und Dubstep. Mit "Nothing Is True & Everything Is Possible" öffnet sich die Band nun noch mehr und lässt neben Pop (welcher auch schon stark den Vorgänger "The Spark" beeinflusste), nun auch Jazz, Soundtrackmucke und Klassikanleihen durch das Studio wehen.

Lediglich der Album-Opener sorgt für einen kurzen Schock, denn man fühlt sich bei 'THE GREAT UNKNOWN' zu Beginn doch stark an die unsäglichen Disco Boys und deren Evergreen 'For You' erinnert. Es benötigt jedoch nur dreißig Sekunden bis einem die ersten Gitarrensalven diesen fiesen Gedanken aus dem Kopf feuern und das sensationelle Drumming von Rob Rolfe tut sein Übriges. 'Crossing The Rubicon' lässt die frühere Sperrigkeit von ENTER SHIKARI hinter sich und ergießt seine Energie in einen perfekten Popsong, der in leicht anderer Schattierung nicht mal auf einem Katy Perry Album rausstechen würde. Der Vorteil von ENTER SHIKARI ist jedoch, dass die Band dafür kein Songwriterteam aus zwölf schwedischen Songschreibern benötigt. Ebenso gelungen und eingängig kommt auch '{ The Dreamer’s Hotel }' daher, wie dieser Clip beweist:

Das orchestrale ’Waltzing Off The Face Of The Earth’ (I. Crescendo) geht hingegen in eine völlig andere Richtung. Durch die mantraartige Verwendung des Albumtitels in den Lyrics könnte man gar vom Titeltrack des Albums sprechen. Zum Ende der Komposition läuft die Instrumentierung komplett aus dem Ruder und es bleiben nur noch die Bläser und einige Walzer- und Jazzmotive an denen man sich entlanghangeln kann. Und genau im richtigen Moment platziert die Band nun wieder einen recht geordneten und soliden Track ('modern living…'), welcher dennoch das Zeug zur absoluten Festivalhymne 2020 haben dürfte, wenn denn welche stattfinden würden. Mit 'apøcaholics anonymøus' folgt ein kleines Soundexperiment als Nachklapp und mit 'the pressure’s on.' beweisen die Briten dass sie auch immer noch unpeinliche Balladen im Repertoire haben. Mit 'T.I.N.A.' findet sich mal wieder ein The-Prodigy-Moment im Bouquet und für das Instrumental 'Elegy For Extinction' holte man sich nicht nur das Prager Symphonieorchester als Unterstützung, sondern entführte direkt den Soundtrack Komponisten George Fenton (Gandhi, Blue Planet, Planet Earth, Groundhog Day, My Name Is Joe) ins Studio.

Wem das an Ambitionen noch nicht ausreicht, der bekommt mit dem Song-Doppel 'Marionettes (I. The Discovery of Strings)' und 'Marionettes (II. The Ascent)' nochmal einen ordentlichen Nachschlag. Im Vergleich dazu wirkt 'satellites* *' fast schon profan, ist aber ein klasse catchy Pop-Track. 'The King' rückt Drum’n’Bass-Rhythmen wieder mehr in den Fokus, ist aber sogar noch eine Spur eingängiger. 'Waltzing off the Face of the Earth (II. Piangevole)' beschließt den wilden Ritt durch sämtliche Musikstile der Welt und sorgt für einen behutsamen Ausstieg aus dieser wilden Achterbahnfahrt.

Auf "Nothing Is True & Everything Is Possible" beweisen ENTER SHIKARI, dass sie nichts von ihrer Vielseitigkeit und Unberechenbarkeit und schon gar nicht von ihrem Können eingebüßt haben. Das man die Band niemals unterschätzen sollte, dürfte inzwischen jedem Skeptiker klar sein. Aber mit diesem Album stoßen entern sie nun endgültig die erste Garde der Kreativitätsmusiker. Festival-Headliner, Stadionshows – nichts scheint für diese Band unerreichbar.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Crossing The Rubicon'

Album-VÖ: 17.04.2020

Präsentiert wird die Tour von VISIONS, FUZE, SLAM, Ox-Fanzine & livegigs.de und laut.de.

  • 04.12.2020 Berlin - Columbiahalle
  • 05.12.2020 Köln - Palladium
  • 06.12.2020 Stuttgart - LKA Longhorn
  • 09.12.2020 München - TonHalle
  • 10.12.2020 Offenbach - Stadthalle

Tickets für die Konzerte gibt es ab Freitag, den 27. März, 10 Uhr für 28 Euro zzgl. Gebühren an allen bekannten CTS–VVK-Stellen sowie unter der Hotline 01806 – 853653 (0,20 €/Anruf aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,60 €/Anruf), auf fkpscorpio.com und eventim.de.