(Snakefarm Records/ Universal Music Group)

Einer der unterbewertesten, aber kreativsten und hingebungsvollsten Singer/ Songwriter unserer Tage ist wohl eindeutig Jake Smith (aka THE WHITE BUFFALO). Hierzulande dadurch bekannt geworden, dass er diverse Songs zum Sons Of Anarchy-Soundtrack beigetragen hat, sonst aber nur Szenekennern ein Begriff - und das obwohl er mittlerweile ein dickes Label im Rücken hat, die ihm ordentlich PR zuteil werden lassen. Seine Mischung aus Heartland-Rock, bluesigen Ausflügen und dem feinen Schuß Americana ist vielleicht nicht einzigartig, aber mega-authentisch und bringt etliche Emotionen zum Klingen.

"On The Widow's Walk" ist sein siebtes Studioalbum, was für eine langjährige Erfahrung spricht. Er muss niemanden mehr etwas beweisen und hat seinen Style gefunden, bewahrt und in Nuancen verfeinert. THE WHITE BUFFALO ist fokussiert, vergisst aber nicht Spannung aufzubauen und teilweise eine Dynamik zu schaffen, die zwischen Euphorie und Melancholie ihren Weg in die Beine, ins Ohr und ins Hirn des Hörers findet.

Das vorliegende Album von Mr. Smith wurde von seinem nicht minder talentierten Kollegen Shooter Jennings produziert, der in der gleichen Zielgruppe wildert und weiß, welche Knöpfchen gedreht werden müssen, um eine warme und atmosphärisch stilvolle Platte zu kreieren.

Hört Euch Songs der Marke 'Problem Solution', 'No History' oder 'Faster Than Fire' an, geniesst die dunkle Stimme von THE WHITE BUFFALO und lasst euch in die Musik fallen - die knappe Dreivertelstunde vergeht wie im Flug. Im Laufe der Platte entdeckt man immer wieder Facetten, die auch einem Bruce Springsteen oder Mark Lanegan gut zu Gesicht stehen würden. Und viel schöner als wie mit 'I Don't Know A Thing About Love' kann man ein Album nicht abschliessen - Leonard Cohen spendet stehenden Applaus von seiner Legenden-Wolke.

"On The Widow's Walk" führt den Weg von THE WHITE BUFFALO konsequent fort. Vielleicht ist die Platte nicht reich an Überraschungen, aber die angebotenen Songs zeigen eindrucksvoll welches Talent der Kalifornier in die Waagschale wirft und daraus hingebungsvolle Kompositionen erschafft, die teilweise lange nachhallen.

Album-VÖ: 17.04.2020