(Uncle M Music / Disconnect Disconnect / Monster Zero Records)

Köln = Kalifonien! Zumindest stimmt die Gleichung, wenn man THE SEWER RATS als Maßstab nimmt - und warum sollte man dies nicht tun? Schon mit ihrem letzten Album "Heartbreaks And Milkshakes" haben sie die Endorphin-Ausschüttung ins Bodenlose ausgereizt.

THE SEWER RATS – Heartbreaks And Milkshakes

Nun folgt also endlich der langerwartete Nachfolger in Form von "Magic Summer". Und auch wenn wir uns alle den kommenden Sommer anders gewünscht haben, wird der Longplayer die Aufgabe sicherlich formidabel lösen, uns ein fettes Grinsen in Gesicht zu zaubern und die negativen News der letzten Monate für ein paar Augenblicke vergessen zu lassen. Punkrock, Kannen-Time, Skateboards, Spass - mehr braucht kein Mensch! Let's go! Musikalische Veränderung und Weiterentwicklung findet statt, in dem die Fokussierung stärker denn je auf den 90er-Punkrock gelegt und ziemlich konsequent das Hitpotential in den Vordergrund gerückt wird.

Dass Sänger Chris Gin perfekt für den Job des Frontmanns geschaffen ist, beweist er gleich mal mit dem Opener 'Rejuvenate'. Dem straighten Song verpasst er mit Hingabe einen ordentlichen Punch und wird im weiteren Verlauf noch den ein oder anderen Track retten. 'I'm Quitting My Job' kann den schwungvollen Anfang nicht ganz folgen, weil zu eintönig und einer Melodie, die schon tausendfach gehört wurde. 'I Don't Wanna Go To The Dentist No More' und 'I Don't Wanna Go To The Shrink No More' sind purer PopPunk-Fastfood - im ersten Moment richtig geil, beim dritten Bissen dann okay und zum Schluß ist man froh es geschafft zu haben. THE SEWER RATS machen eigentlich ziemlich viel richtig - haben schmissige Melodien, die an die nordamerikanischen Vorbilder wie Masked Intruder oder Teenage Bottlerocket durchaus ranreichen. Die Chöre sitzen wie 'ne Eins und Refrains, die selbst (oder gerade dann?) im betrunkenen Kopp zum Mitgröhlen einladen.

Am Besten ist das Quartett, wenn sie dem Song etwas Zeit einräumen und songwriterisch ein paar Spielereien einbauen ('My Baby Is At Groezrock (And I Am Not)' oder 'My Sweet Chun-Li'). Eigentlich wird die Platte ab dem zweiten Drittel erst richtig gut und unterhaltsam - 'Total Creep' ist ein verdammter Hit, 'Choice' ebenso, weil er den Bubblegum mit einer Prise Aggressivität füttert, was der Komposition sichtlich/hörbar gut tut.

Der längste Song ist mMn. auch der gelungenste: 'I Don't Wanna Leave My Room No More' nimmt sich tempomäßig etwas zurück und entwickelt einen unwiderstehlichen Sog. Höre ich da sogar einen leicht emotionalen Unterton heraus? Tolles Lied. Der Titeltrack steht dem in nix nach und schliesst "Magic Summer" formvollendet ab.

Obwohl ich die Platte jetzt einige Wochen in Dauerrotation laufen habe, wird sie mir nicht langweilig. Ein richtiges Highlight wäre sie geworden, würde das erste Drittel der Platte nicht so durchschnittlich sein. Aber acht Knaller gegen 4 okaye Tracks ist schon eine sehr gute Ausbeute.

Album-VÖ: 30.04.2020