(Epitaph / Indigo)

All-Star-Group, die 743. Diesmal haben sich diverse Punk- und Hardcore-Veteranen zusammengefunden, um ein neues Projekt namens FAKE NAMES zu präsentieren. Ein wenig Namedropping gefällig? Bitte sehr: Dennis Lyxzén (Refused, AC4, INVSN und zig andere), Brian Baker (u.a. Bad Religion, Minor Threat, Dag Nasty), Michael Hampton (Embrace, One Last Wish) und Girls Against Boys-Bassist Johnny Temple. Genug Promidichte, um für etwas Aufmerksamkeit zu sorgen - sollte man meinen. FAKE NAMES begnügen sich mit einem selbstbetitelten Album und veröffentlichen den ganzen Spass beim größten Underground-Punklabel Epitaph. Damit sollte alles gesagt sein - Kaufpflicht, Ende des Reviews.

Die Männer können natürlich nicht aus ihrer Haus und beeindrucken mit feinen Melodien, die im Punkrock zuhause sind, aber immer dem eingängigen Power-Pop Einlass gewähren. Die Energie ist greifbar und in ca. 28 Minuten ist die Messe gelesen. Der Tonträger ist einmal, zweimal, fünfundzwanzigmal durchgelaufen und trotzdem bekommt man nicht genug von den Harmonien, die der Fünfer erschaffen hat.

Erwartet aber nicht das Unerwartete - seid geduldig, aufmerksam und lasst euch mitreissen. Die Songs auf "S/T" sind nicht zum Blutpogo geeignet, aber ein kecker Hüftschwung und die halb gereckte Faust werden schon provoziert. Durch den zumeist klaren Gesang von Dennis L., werden kleine Hymnen kreiert, die vielleicht Innovationen außen vor lassen, aber den Hörer so packen können, dass es FAKE NAMES zu verzeihen ist, dass keine kompositorischen Meilensteine den Weg auf die Platte gefunden haben.

'All For Sale' als Opener zeigt bereits, dass Punkrock eher gestreift wird und als Background funktioniert - Im Fokus stehen eine stringente Melodieführung und Songs die zwischen rockigen Alternative und Laissez-Faire pendeln, niemanden weh tun und verdammt gut reinlaufen. 'Driver' z.B. hätten die Foo Fighters vor einer Dekade als B-Seite verbraten und das nachfolgende 'Being Them' klingt teilweise wie eine aufgepimpte 'Polly'-Coverversion (v.a. in den Strophen).

Die Musik, die FAKE NAMES anbieten, gibt es heutzutage selten - Ende der 90er-Jahre war sowas der heisse Shit. Wer erinnert sich noch an Bands wie Compulsion, 3 Colours Red oder Automatic 7? Eben, kaum jemand! Deswegen ist das zurückgelehnte Debüt der Herren schön nostalgisch, ohne spektakuläre Akzente zu setzen. Dennoch macht die Platte unendlich viel Spass - auch wenn die Halbwertzeit eher gering sein wird. Einer der Alben, die später im Jahr vergessen sein werden, aber in den kommenden Jahren immer mal wieder rausgekramt werden und einem ein gutes Gefühl vermitteln.

Mal sehen, ob FAKE NAMES mehr als nur ein einmaliges Projekt ist. Wünschen würde ich mir das, alleine der Glaube fehlt. Dafür sind die Lieder auf "S/T" zu beliebig. Aber das Zuhören macht verdammt viel Bock. Irgendwo zwischen Geniestreich und okayer Hintergrundmusik - kommt wohl auf die eigene Tagesform an. Gestern hätte die Platte 5 Blitze bekommen, heute sind es gerade mal 4 - deswegen die goldene Mitte:

Album-VÖ: 08.05.2020