(Uncle M)

Zwei Jahre ist es her, dass uns CADET CARTER ihr Debüt geschenkt haben. Unsere Begeisterung kann man bei Bedarf gerne hier nochmal nachlesen:

CADET CARTER – Cadet Carter

Nach etlichen Wochen/ Monaten auf Tour, neuen Erlebnissen und einer spielerischen Weiterentwicklung haben es die vier jungen Männer endlich wieder geschafft, das Studio zu entern, um den Nachfolger zum selbstbetitelten Vorgänger aufzunehmen. "Perceptions" heisst das Werk. Und um es vorweg zu nehmen: CADET CARTER bleiben ihrem Stil treu und verfeinern das Songwriting an genau den richtigen Stellen. Nie steril, man hört in jeder Note das hineingesteckte Herzblut und den Willen eine Platte zu präsentieren, die eigenen Erwartungen genauso gerecht wird wie die, die von außen herangetragen werden.

Der Titeltrack bereitet im ruhigen Fahrwasser als Introsong auf das kommende Erlebnis vor - toll arrangiert und erinnert mich etwas an die leisen Momenten solch Classic-Emos wie Pop Unknown. 'Speed Of Sound' findet den Weg des eingängigen Emo-College-Rocks ohne Probleme und überzeugt mal wieder mit dem Händchen für ghänsehauterzeugende Melodien. 'Telescope' muss den Vergleich mit Jimmy Eat World nicht scheuen - im Grunde ist das sogar einer der besten JEW-Songs der letzten Dekade. Respekt! 'A Bad Few Weeks' lässt wiederum an The Ataris zu "So Long Astoria"-Zeiten denken. Man könnte zu jedem Lied ein entsprechendes Gegenstück in der Musikhistorie finden und benennen - das soll aber in keinster Weise das Talent von CADET CARTER unter den Scheffel stellen, denn die Jungs haben ihre musikalische Sozialisation in das Songwriting einfliessen lassen und richtig gute Tracks produziert.

Jedes Stück auf "Perceptions" transportiert diese warme Atmosphäre, die MItte/Ende der 90er-Jahre den Emo-Rock so großartig gemacht hat. Ob nun Knapsack oder Dashboard Confessional - CADET CARTER picken sich ihre Inspirationen klug heraus und kreieren Songs, die nachwirken und nostalgische Gefühle erzeugen. Das unaufgeregte, aber immer fokussierte Zusammenspiel zwischen Gitarren und zurückhaltender Rhythmik lässt bisweilen auch den Gedanken an Death Cab For Cutie zu.

Kein einziger Song klingt überflüssig, die Platte wirkt wie aus einem Guss. Die beschriebene Weiterentwicklung hört man an der Konsequenz, die CADET CARTER an den Tag legen, den perfekten Song schreiben zu wollen. Vielleicht fehlt mal hier mal 'ne Ecke oder dort 'ne Kante, an der man sich reiben könnte. Das Gesamtergebnis überzeugt dennoch auf ganzer Linie, weil die Tracks einfach verdammt gut sind.

Album-VÖ: 08.05.2020