(Epitaph/375 Media)

Beim neuen, selbstbetitelten THE GHOST INSIDE Album, handelt es sich ohne Frage um eins der meisterwarteten Alben dieses Jahres. Nach dem schrecklichen Busunfall im Jahr 2015, der das Leben beider Fahrer kostete und auch die Band schwer in Mitleidenschaft gezogen hat, ist es der fünfte Langspieler der Jungs und damit der erste neue Stoff seit gut sechs Jahren. Das die Band jemals zurückkehren würde stand lange Zeit in den Sternen. Nun ging gefühlt alles sehr schnell, letztes Jahr eine Comebackshow und nun steht schon ein komplett neuer Langspieler an. Ob THE GHOST INSIDE damit an ihre Vergangenheit anknüpfen können? Immerhin waren sie grade dabei zur absoluten Speerspitze des Melodic Hardcore aufzusteigen.

Drummer Andrew Tkaczyk verlor bei dem Unfall ja eines seiner Beine und da ist es einfach nur sau stark und emotional zu hören, dass der erste Song, namens '1333', direkt mit einem Drumsolo gestartet wird. Insgesamt hat es was von einem Showreel, bei dem in einer Minute kurz aufgezeigt wird, dass alle Bandmitglieder da sind und bock auf die Musik und ihre Fans haben. Der einzige gesungene Text lautet: "TGI! From the ashes brought back to life!" und ich glaube da muss man nun wirklich nichts mehr hinzufügen. Das die Texte persönlich und emotional ausfallen verwundert nicht und da macht auch 'Still Alive' keinen Hehl draus. Musikalisch geht man keine wilden Experimente ein und setzt genau da an, wo man 2014 mit "Dear Youth" aufgehört hatte. Der geneigte Hörer kriegt genau die Mischung aus agressiven Shouts, Riffs, Beats und einem melodiösen Grundgerüst, die er erwartet hat. So ist der Neustart von "The Ghost Inside" richtig gut gelungen.

'The Outcast' ist mit gut drei Minuten das kürzeste Lied und lässt sich auch wirklich gut hören, aber so wirklich viel blieb bei mir auch beim x-ten Durchlauf nicht hängen. 'Pressure Point' setzt komplett auf Härte und Agressivität, wurde auch vorab veröffentlicht und hat es leider noch immer nicht geschafft sich in mein Herz zu spielen. Ich stehe dafür einfach zu sehr auf die melodische Seite von THE GHOST INSIDE. Zum Glück wird diese Seite direkt im folgenden 'Overexposure' großzügig bedient. Der Refrain verursacht bei mir sofort eine Gänsehaut und gibt mir somit genau das was ich erwarte. Auch 'Make and Break' spielt so seine Stärken aus und die Clean Vocals reißen mich sofort mit. Richtig ruhig beginnt dann 'Unseen' und erst nach anderthalb Minuten wird es härter, wobei der Text wirklich sehr nachdenklich erscheint.

Bei 'One Choice' handelt es sich ganz klar um einen der geilsten Songs den THE GHOST INSIDE je geschrieben haben. Der Refrain bohrt sich so gnadenlos in den Gehörgang, dass man schon beim ersten Mal lauthals am Mitsingen ist. Einfach ein richtiger gute Laune Song, der die positiven Gedanken in einem anfeuert und eine Hymne an das Leben darstellt. Als Lied für sich genommen, wird es am Ende des Jahres sicherlich in meinen Top 10 landen.

Photo by Jonathan Weiner

Der finale Dreierblock hat es wirklich in sich und findet einen gelungenen Start mit 'Phoenix Rise'. In der ersten Hälfte wird hier wild drauf los geknüppelt und dann wird es sehr melodisch. Eine Mischung die es in sich hat und einen so schnell nicht mehr loslässt. Der mit Abstand eingängigste Track ist 'Begin Again', welcher in meinen Augen auch mit der schönsten Melodie aufwartet und er wäre auch wirklich der perfekte Abschluss für das Album gewesen, wenn da nicht noch 'Aftermath' wäre. Es ist natürlich ein bisschen unfair, denn dank des Musikvideos ist es der erste neue Song den man seit dem Unfall gehört hatte. Und das war auch für mich ein sehr emotionales Erlebnis, welches bei jedem Hören wieder ins Gedächtnis gerufen wird. Und spätestens bei den Clean Vocals ist man einfach immer wieder total ergriffen. Wahrscheinlich hat es sich über die letzten Wochen zu meinem absolutem Lieblingslied gemausert und wird am Ende des Jahres auf Platz 1 meiner Hitliste landen.

THE GHOST INSIDE sind zurück und liefern genau das Album ab, welches sie und ihre Fans benötigt haben. Keine Experimente, sondern genau der Stil welchen man erwartet hat und somit einfach mehr von dem für das sie geliebt werden. So tritt man sicherlich nicht einem Fan auf die Füße, sondern spielt sich aufs neue in deren Herzen. Emotional wäre ich nach dem Finale immer geneigt der Scheibe die volle Wertung zu geben. Aber realistisch gesehen zünden 'The Outcast', 'Pressure Point' und 'Unseen' ein bisschen zu wenig bei mir und deswegen verfehlt man dieses Ziel haarscharf. Das ändert aber nichts daran, dass mit "The Ghost Inside" nun eines der besten Alben des Jahres zu haben ist, das kein Fan und der, der es noch werden will, verpassen sollte.

Album-VÖ: 05.06.2020