(Sony Music)

Egozentriker, Multitalent, Rock 'n Roller, Herzblutmusiker - das, und noch viel mehr ist HANK VON HELL. Bekanntermaßen ehemaliger Frontmann der Punk 'n Roller Turbonegro. Das Kapitel ist allerdings seit einer Dekade geschlossen und Hank van Helvete hat seine Kreativität in den Dienst von sich selbst gestellt, was bereits beim Debüt "Egomania" zu teilweise verdammt guter Unterhaltung geführt hat. Das Songwriting war zwar nicht herausragend, aber für den ein oder anderen Arschwackler gut gewesen.

HANK VON HELL – Egomania

Nun hat es HANK VON HELL geschafft ein zweites Album zuammenzuklöppeln. Diesmal wurde es knackig mit "Dead" benannt, Erfolgsproduzent Tom Dalgety engagiert (u.a schon für Rammstein, Ghost oder Royal Blood tätig) und einigen Gästen Platz eingeräumt. Soviel sei vorweggenommen: HANK VON HELL hat sich auffällig offensichtlich dem Hardrock der 80er angenähert und beweist dies gleich mit den ersten beiden Songs 'Dead' und 'Danger! Danger!' (Intro-Geschwurbel mal ignorant beiseite geschoben). Das gesangliche Timbre erinnert vermehrt an die Glanzzeiten eines Alice Cooper. Midtempo-Stomper mit teils tollen Gitarren-Melodien sind das Mittel zum Zweck und macht auch aus 'Blackened Eyes' einen veritablen Hit, der aber ca. ein Vierteljahrhundert zu spät kommt.

Dann wird es crazy - 'Disco' überrollt einen unerwartet und der Titel des Tracks verspricht den inhaltlichen Anstrich - textlich wie v.a. auch musikalisch. Ekelhaft kitschig, leider ohne einen notwendigen selbstironischen Unterton wie es ein Andrew W.K. schafft. Das ist, man muss es so drastisch sagen: Schund! Hört selbst:

Der Synthesizer-unterlegte Song 'Crown' bekommt weibliche Gesangsunterstützung von Thundermother-Frontfrau Guernica Mancini, die das Ganze qualitativ etwas aufwertet - allerdings sind die bisherigen Kompositionen bestenfalls als Soundtrack-Beigabe zu zweitklassigen Actionfilmen zu gebrauchen, die bei Netflix dutzendfach abrufbar sind. 'Radio Shadow' hat den meisten Schwung, was evtl. an der Beteiligung von zwei Sum 41-Mitgliedern liegen könnte. Schön straight-forward - ein knalliger Hit, der definitiv die Tanzfläche füllen wird (sofern das jemals wieder möglich ist).

Wie schon auf seinem Debüt schafft es HANK VON HELL zum Ende der Platte, die wirklich guten Songs rauszuboken. 'Velvet Hell', 'Forever Animal' oder 'Am I Wrong' haben diesen erinnerungswürdigen, teils nostalgischen Touch, der Hank so einzigartig gemacht hat. Mehr davon bereits am Beginn der Platte platziert und "Dead" wäre ein tolles Sommeralbum geworden. So ist es leider nur ein laues Lüftchen, was den ein oder anderen Sonnenstrahl transportiert, aber die dunklen Wolken nicht gänzlich vertreiben kann.

Solides Entertainment ohne großen Firlefanz. Der Name HANK VON HELL bürgt für okayes Songwriting ohne Überraschungen. Wird dem Turbojugend-Groupie vielleicht reichen, aber etwas mehr Mut wäre wünschenswert gewesen.

Album-VÖ: 19.06.2020