(We love music/Universal)

BEYOND THE BLACK und speziell Frontfrau Jennifer Haben hatten noch nie irgendwelche Berührungsängste. Egal ob Wacken, KiKa, ZDF Fernsehgarten, Sing meinen Song, Sat1 Frühstücksfernsehen oder die Hamburger Metal-Days. Künstlich rar machte sich die deutsche Symphonic-Metal-Band gewiss nicht. Es scheint als möchte man mit aller Macht in die erste Reihe der deutschen Musik-Künstler vorstoßen und so hat man mit "Horizons" ein fast lupenreines Pop-Album aufgenommen.

Ohne Frage, BEYOND THE BLACK spielten auch schon auf ihren ersten drei Alben einen äußerst streitbaren Metal-Stil, was auch dazu geführt haben mag, dass es inzwischen mehr Ex- als aktuelle Bandmitglieder gibt. Durch die Teilnahme von Sängerin Haben an der letztjährigen Sing meinen Song Staffel, kann man mit einem weiteren Popularitätsschub rechnen. Damit die neugewonnenen Hörer nicht sofort verschreckt werden, bestreitet man konsequenter Weise einen Weg ins Poplager. Symphonic ist hier nur noch wenig, und Metal eigentlich gar nix mehr.

Fans der ersten Stunde dürften leicht erröten, gemessen am Hitpotential der ersten Albumhälfte. Allerdings dürften diese im Vergleich zu der neuen Hörerschar bald in Unterzahl sein. Denn allen Unkenrufen zum Trotz, man muss BEYOND THE BLACK schon eingestehen, dass die neuen Stücke klasse produziert sind und in ihrer Eigenschaft als Popsong auch gut funktionieren.

Hits wie 'Horizons', das rockige 'Golden Pariahs' oder die Ballade 'Human' gehen nicht nur unmittelbar ins Ohr, sondern sind auch der Ausdruck eines unbändigen Selbstbewusstseins und einem Talent für catchy Refrains. Wie extrem dieser musikalische Wandel und fast schon Stilwechsel ausfällt wird deutlich, wenn man sich den Clip zu 'Misery' anschaut:

Das ist deutlich näher an Johannes Oerding, Vincent Weiss und Co. als an Nightwish, Evanescence oder Within Temptation, die noch als Referenzbands für die ersten drei Studioalben von BEYOND THE BLACK galten. Den Puristen und Oldschool Fans strecken die Jungs um Jennifer Haben dann aber auch hin und wieder die Hand zur Versöhnung aus. 'Coming Home' oder 'I Won’t Surrender' sind noch nah am alten Sound und finden sich auf der B-Seite von "Horizons", welche erstaunlicherweise weniger stimmig klingt wie das Hitfeuerwerk zuvor. Beide Fanlager dürfte wohl ehesten das Feature mit Amaranthe-Sängerin Elize Ryd zufriedenstellen:

Abschließend lässt sich gar nicht so leicht urteilen, ob die Band jetzt besser oder schlechter geworden ist. Sie klingt jedenfalls über weite Strecken anders. Gemessen an den ersten Alben, waren diese im Vergleich sogar deutlich stimmiger – hier gibt es dennoch die größeren Hits.

Und um auf die anfangs angesprochenen und nicht existenten Berührungsängste der Band zu sprechen zu kommen, BEYOND THE BLACK reihen sich natürlich in die Riege der Autokonzert-Bands ein. Wer möchte hat in Stuttgart (25.6.) oder Oberhausen (26.6.) die Chance dazu. Auf eine reguläre Tour gehen BEYOND THE BLACK ab April 2021, zusammen mit Amaranthe.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Wounded Healer'

Album-VÖ: 19.06.2020