(self release)

Die guten, spannenden Dinge - die mehr denn je im Geheimen der breiten Netzöffentlichkeit erblühen – erfordern aktiven Wühlfleiß, und den haben die wenigsten. Somit kann man den in Brooklyn wohnhaften Schweizer Indie-Künstler SAM HIMSELF durchaus noch als Geheimtipp bezeichnen. Dabei klingt der Musiker wie eine Mixtur aus Bruce Springsteen, The National und The War On Drugs und kann somit gerne einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

Ende Mai veröffentlichte der Musiker seine neue EP "Slow Drugs", welche eine stilistische Weiterentwicklung von seinen früheren, stärker bandbasierten Aufnahmen darstellt. Insgesamt versammelt der Musiker fünf Tracks auf der EP und eine ganz illustre Schar von Kreativen um sich herum im Studio. Namentlich wären das Josh Werner (Bass - Iggy Pop; CocoRosie) und Parker Kindred (Schlagzeug - Jeff Buckley; ANOHNI) im Studio unter der Leitung des Produzenten Daniel Schlett (The War on Drugs, DIIV, Amen Dunes). Große Namen, große Ambitionen und das hört man auch.

Bereits der Titeltrack erinnert in seiner Vortragsweise an den Gesangsstil von Matt Beringer von The National. Gepaart mit den wunderbaren Zeilen im Background-Gesang: „Bring You Blue Lips And Your Airplane Eyes“, sorgt die Nummer wiederholt für Gänsehaut.

'Like A Friend' wurde von SAM HIMSELF als Fokus-Track der EP ausgerufen. "'Like a Friend' handelt vom Abschliessen mit einer Ära der eigenen Geschichte, von der Einsicht, dass ein zentrales Selbstbild nichts mehr taugt. Um damit klarzukommen, braucht’s eine kurze Feuerpause zwischen all den inneren Fraktionen, die sich sonst ständig gegenseitig bekriegen. Das Lied ist also ein Appell an die Versöhnung mit sich selbst." Das Musikvideo zu 'Like a Friend' konzipierte Sam abermals gemeinsam mit Regisseur Stefan Tschumi, welcher bereits für die Realisierung des 'Slow Drugs' Videos zuständig war:

'Take Me Bad' und 'Maybe Allison' sorgen für eine etwas getragenere Stimmung, sind aber, wie die gesamte EP, absolute Hinhörer.

Für meinen Geschmack setzt SAM HIMSELF das Highlight mit dem Schlußtrack der EP. 'Someday You'll Be the Fool and You'll Know What It's Like' sorgt für eine offensichtliche Springsteen Referenz, dessen Songs sich SAM HIMSELF ohnehin schon gerne in verschiedenen Coverversionen annimmt. Das Storytelling und die leichte Melancholie die diesen Track durchzieht, lassen Vergleiche mit dem Boss nicht nur zu, sondern SAM HIMSELF gar ebenbürtig erscheinen.

Bestnote, volles Gewitter, bitte mehr davon.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Someday You'll Be the Fool and You'll Know What It's Like'

EP-VÖ: 29.05.2020