(Napalm Records)

Die Jungs und Mädels von FEUERSCHWANZ haben es geschafft sich in den 16 Jahren seit Gründung eine immer größe Fanbasis zu erspielen. Im Grunde spielt man Mittelalterrock, aber das Ganze angereichert mit einer großen Portion Humor. Die Texte sind dabei immer sehr verspielt, satirisch und angereichert mit viel Sex gewesen. Das nun vorliegende neunte Album "Das Elfte Gebot" ist das Erste welches unter Napalm Records erscheint und zeigt einen starken Wechsel weg von der satirischen Mittelalterparodie-Band hin zum ernstzunehmenden Powermetal-Act auf. 

Bei 'Meister der Minne' erklingen erst orientalische Klänge, bevor auf einmal Gitarre und Bass ertönen und mich von den Socken hauen. So einen druckvollen Sound und metallisches Soundgerüst ist man von FEUERSCHWANZ bisher nicht gewohnt gewesen. Natürlich sind weiterhin mittelalterliche Instrumente dabei, aber der ganze Stil ist nun deutlich eher Powermetal, inklusive hohem Gekreische, fetten Riffs, Solos und einem ohrwurmlastigen Refrain. Hier startet man direkt mit riesigem Hitpotential und ich kann nur meinen Hut vor dieser Leistung ziehen. Mit 'Metfest' beweist man das man noch immer Partysongs schreiben kann, wobei der Text längst nicht so stumpf daher kommt wie in alten Zeiten. Aber auch hier macht sich die neue Produktionsqualität bemerkbar und lässt einem keinen Grund zum Meckern.

'Das Elfte Gebot' knallt dann gleich noch eine Ecke mehr rein und ist ein weiterer Tophit. Der Labelwechsel scheint wirklich die Ketten von FEUERSCHWANZ gesprengt zu haben, die Melodie ist super und der Text richtig gut geschrieben und weit weg von einer Parodie-Band. Der 'Kampfzwerg' kommt dann schon wieder recht humoristisch daher und hat definitiv manche NDH-Einflüsse in sich aufgesogen. Insgesamt ist der Gesang nun deutlich abwechslungsreicher als auf den bisherigen Alben. Eine Ballade verbirgt sich hinter 'Im Bauch des Wals' und zeigt einem sehr gut die neue Qualität im Songwriting auf. Eher in Richtung Backt to the Roots geht es mit 'Mission Eskalation', was einem bei dem Titel nicht wundern sollte. Ein absolutes Partylied für die nächste Festivalsaison und eine jede Feier mit guten Freunden.

Photo by Nikolaj Georgiew

Eine richtig schöne Nummer zum Mitsingen stellt 'Schildmaid' dar, bei dem man sich schon jetzt freut den Refrain irgendwann lautstark aus vielen Fanhälsen hören zu dürfen. Ein ganz, ganz starkes Stück Musik! Ich mag 'Malleus Maleficarum' echt gerne, aber hier hat man sich nun wirklich mehr als nur ein bisschen von Sabaton inspirieren lassen. Aber hey lieber so geil kopiert, als schlecht selber gemacht! In dem man sich bei 'Lords of Powermet' auch noch teilweise von der deutschen Sprache verabschiedet wirkt es noch powermetallastiger und erinnert sehr stark an Powerwolf. Daraufhin wird energisch der 'Totentanz' getanzt und hier wird schrill und hoch gesungen, so wie es sich für eine trve Powermetalband gehört, welches mal wieder von viel Humor seitens FEUERSCHWANZ zeugt. Der Abschluss mit 'Unter dem Drachenbanner' ist auch sehr gelungen und wirkt mit den vielen Hohohos ein bisschen wie Paganmetal.

Wer sich jetzt noch die Deluxe Edition zugelegt hat kriegt noch die Bonus-Scheibe "Die sieben Todsünden" auf dieser tummeln sich sehr gelungene Coverversionen zu den folgenden Songs 'Ding','Hier kommt Alex', 'Amen & Attack', 'Gott mit Uns', 'Limit' und 'Engel'. Und genau deswegen sollte man auch zu der Deluxe Edition greifen, denn alleine diese wäre als EP auch schon einen Einzelkauf wert.

FEUERSCHWANZ wechseln ihr Label und sprengen dabei ihre Ketten. Weg vom zottigen Mittelalterrock und hin zum knalligen Powermetal. Das Ergebnis ist ihr mit Abstand reifstes und auch bestes Album und genau deswegen sollte man sich "Das Elfte Gebot" unbedingt zu Gemüte führen. Der Weg zu einer riesigen Fanbase sollte nun endgültig frei gemacht worden sein.

Album-VÖ: 26.06.2020