(Epitaph Records/ Indigo)

Das aus Minnesota stammende Brüder-Duo Paulson (live und im Studio mit Schlagzeuger-Support), haben als REMO DRIVE die Emo/Indie-Szene in den letzten Jahren bereits etwas aufgemischt, wobei ich bei meinem letzten Review nicht erkennen konnte, warum dies so ist. Könnt ihr hier nochmal nachlesen:

REMO DRIVE – Pop Music EP

Mit "A Portrait Of An Ugly Man" erscheint dieser Tage das dritte Studioalbum und REMO DRIVE haben es gewagt ihren Sound zu verfeinern, teils sogar komplett umzuschmeissen, um den Songs ein ausdrucksstarkes Setting zu verpassen. Ob das Ganze auch spannend umgesetzt wurde? Man wird sehen/hören/fühlen.

Konnte man die Band bisher im weiteren Umfeld von Emo-Pop-Rock verorten, haben sie sich nun in den Brit-Rock der frühen 2000er-Jahre verliebt. Wer also vor anderthalb Dekaden den Sound von Maximo Park, The Kooks oder Hard-Fi zu lieben und schätzen wusste, darf sich gerne mal an REMO DRIVE rantrauen und ausprobieren, ob sich das damalige Hochgefühl wieder hervorzaubern lässt.

Im Grunde ist damit das Album auch auf den Punkt zusammengefasst, denn bereits die ersten Songs 'A Guide To Live By', 'Star Worship' und 'Dead Man' reiten auf der Nostalgie-Welle und tun dabei so, als wenn es niemals britischen Indie-Rock gegeben hätte. REMO DRIVE verkaufen sich ziemlich gut, denn die Tracks sind tanzbar, leicht und flockig, punkten mit bezaubernden Melodien, sind unbeschwert und dadurch sehr nahbar. Den im Promozettel versteckten Hinweis, dass auch Western-Elemente zum Zuge kommen, hört man z.B. bei 'If I've Ever LookedToo Deep In Thought' oder 'The Ugly Man Sings' gut heraus.

Manchmal übertreiben sie es mit der Dramatik in der musikalischen Umsetzung ('The Night I Kidnapped Remo Drive'), finden aber immer den Weg, um eingängige Kompositionen zu erschaffen. Ich persönlich fühle mich manchmal an Suede zu ihrer Anfangszeit erinnert, was vielleicht am Timbre von Sänger Erik liegt.

Meiner Meinung nach war es klug einen Genrewechsel zu vollziehen, da sich REMO DRIVE so aus der Gefahrenzone bewegt haben, im Niemandsland ungehörter Emo-Popper zu enden. Mit "A Portrait Of An Ugly Man" schaffen die Brüder einen Neuanfang, der Respekt verdient hat. Schöne Lieder, denen desöfteren notwendige Ecken und Kanten fehlen, aber gerade die Suche nach Perfektion macht aus der Platte ein "Guilty Pleasure". Muss ja auch mal erlaubt sein.

Album-VÖ: 26.06.2020