(Destiny Records)

Mit ihrem angekündigten letzten Album "Jenseits Von Gut Und Böse" (umgangssprachlich nur "Das Lila Album") verabschiedet sich die TERRORGRUPPE aus dem Tonträgerbusiness. Sie werden noch eine (letzte?) Tour spielen - dann war´s das! 27 Jahre Provokation, Eskalation und verdammt viele Hits für die Ewigkeit bleibt dem geneigten Fan erhalten.

Bereits im Vorfeld haben sie mit der ersten Auskopplung 'Sie nationalsozialistische Bullensau' für einen Eklat gesorgt und die Grenzen der Satire mehr als ausgetestet. Warum der Track es nicht auf das Album geschafft hat, wird nachvollziehbar auf der TERRORGRUPPE-Homepage erklärt. Aber auch so bekommt der Deutschpunk-Fan in knapp einer Stunde 18 Songs (besorgt euch die Version mit den vier Bonustracks) vor den Latz geknallt, die die typischen, eingängigen TERRORGRUPPE-Songs genauso anbieten, wie die ebenso typischen Füll-Lieder, die niemand vermissen würde. Das war/ ist und bleibt wahrscheinlich die Krux bei den Berlinern: Der Anspruch sich textlich weiterzuentwickeln war nie in der Planung und musikalisch hat sich halt vieles immer wiederholt. Was live wunderbar funktioniert hat (teils vermutlich dem Alkoholkonsum des Zuschauer zuzuschreiben), ist auf Platte teils dröge und nüchtern betrachtet mehr als platt konzipiert.

Trotzdem schaffen es TERRORGRUPPE manchmal den politischen (Mittel-)Finger in die gesellschaftliche Wunde zu legen. Gleichzeitig schämt man sich in seinem kleinen Kämmerlein fremd über die teils textlich stupide Herangehensweise, die sich in zwei Dekaden nur unwesentlich geändert hat. TERRORGRUPPE hören mit Mitte 40 ist doch 'ne andere Nummer, als wenn man 16/17 Lenze zählt.

Der Einstieg 'Suizidoption (Prolog)' ist auch gleich das erste Highlight, weil es einen tollen Spannungsbogen hat und überraschend ruhig daherkommt. 'Sinnlose Beleidigungsstrategien Gegen Fabelwesen (Egal Ob Euch Das Passt)' fährt dagegen den vertonten Wahnsinn auf. Up-Tempo mit quäkenden Trompeteneinsprengseln in unter zwei Minuten - und das dem Glauben konsequent übers Maul gefahren wird, ist nur das i-Tüpfelchen. Mutig und nach dem zenhnten Anhören irgendwie gut. 🙂 'A.D.H.S.' ist ein typischer Sing-A-Long, der nichts Neues anbietet, aber gut reinläuft. Bei 'Der Trottel (Oi, Oi, Oi)' wird dem Piano-Geschwurbel von Annenmaykantereit Tribut gezollt, anders ist das Ding nicht zu erklären (Okay, etwas Strommgitarre kommt zwischendurch zum Zuge). 'Fettes Betrunkenes Dummes Schwein' erinnert an die 90er-Jahre-Phase der TERRORGRUPPE - kann man machen, kann man ebenso gut sein lassen. 'Lastwagenfahrer' dagegen ist pures Gold - alleine die High-Octane-Fahrt, die der Song aufnimmt. Chapeau an die alten Herren!

Zurück zum Pop und einem Lied, welches zum Popo-Wackeln einlädt - der entspannte Groove ist mal wieder einem Blechinstrument zu verdanken - deswegen funktioniert 'Ein Führer Wird Kommen' wieder ganz gut. 'Männers' hat auch diesen einzigartigen TERRORGRUPPE-Hit-Charakter - läuft verdammt gut rein und wird sicherlich auf einer (mit Sicherheit) erscheinenden Best-Of seinen Platz finden. 'Alexandra' schliesst sich dem catchy Feuerwerk an, während 'Alt + Delete' einen überraschendes Schweinerock-Element etabliert. Nicht schlecht, Gevatter Motherfucker.

'Krieg Ist Super' beweist nochmal, wie wichtig die TERRORGRUPPE innerhalb der teils stumpfen Deutschpunk-Szene ist/war - ihr Ansatz kalifornisch geprägten Punkrock zu nutzen, um eine Message zu transportieren ist aller Ehren wert - wobei ich bei dem Song auch ein wenig an Rantanplan denken muss. 'Zusammenstehen' ist ebenfalls straight in die Fresse, hat zwar keine Überraschungen parat, aber unterhält. Die Bonustracks 'Alles Ist Gut', 'Atomschlag Gegen Klimawandel', 'Langweilig' und 'Gesundes Volksempfinden' werten die Veröffentlichung enorm auf, weil die Abwechslung und Hitdichte (nicht ein überflüssiger Ton innerhalb der vier Tracks) geradezu erschreckend hoch ist.

Alles in Allem muss man konstatieren, dass es die TERRORGRUPPE immer noch kann und es irgendwie schade ist, dass mit "Jenseits Von Gut Und Böse" eine Punkrock-Legende ihren Schlussakt präsentiert.

P.S. Ein halber Bonus-Blitz in der Bewertung, weil so etwas wie "Helden meiner Jugend".

Album-VÖ: 26.06.2020