(Fat Wreck Chords/ Edel)

THE REAL MCKENZIES sind seit 28 Jahren am Stizzle und schaffen es noch immer regelmäßig Alben rauszuboken, die puren Punkrock mit schottischem Wahnsinn verbinden. Frontmann und Mastermind Paul McKenzie ist die Konstante, die die Band am Leben erhält (und natürlich Good Riddance-Drummer Sean Sellers), die Wechsel innerhalb der Band sind kaum noch nachzuvollziehen, hat aber nie dem typischen THE REAL MCKENZIES-Sound geschadet. Beheimatet in Kanada hat die Truppe die schottische Lebensart (zumindest musikalisch) auf allen Kontinenten verbreitet. Mit "Beer And Laothing" steht das elfte Studioalbum in den Startlöchern.

Große Überraschungen oder Stilwechsel sollte man nicht erwarten...und das ist auch gut so. Neben der obligatorischen Grundbesetzung zählt bei den MCKENZIES natürlich auch die Bagpipe ("Dudelsack") zum ständigen Repertoire. Die Range bewegt sich zwischen Vollgas und erdig-trocken-rockenden Punkrock (v.a. wenn "Traditionals" neu vertont werden). Es ist immer wieder ein wunderbares Gefühl, wenn man eine THE REAL MCKENZIES-Platte auflegt und einem als Intro-Song ein Bagpipe-Instrumental entgegentrötet ('A Widow's Watch') - dann fühlt man sich Willkommen unter Freunden und kann beherzt den ersten Humpen stemmen, um die anschliessende Partysause in vollen Zügen (hahaha) zu geniessen. Wobei es erstmal schunkelig wird, denn 'Overtoun Bridge' ist bester Pub-Rock, bei dem man sich unterhakt und innerhalb weniger Minuten neue Freunde gefunden hat (Scheiss auf Coroan-Abstandshaltung - das ist ein THE REAL MCKENZIES-Song, verdammtnochmal!). 'Big Foot Steps' ist dann dieser bekannte Punkrock, der schön im Midtempo angesiedelt ist und sich unaufdringlich in deinem Gehörgang festsetzt. Mit dem Titeltrack hält das galoppierende Schlagzeug Einzug und drängt den müden Körper zu unzumutbaren Bewegungsabläufen. Kurze Verschnaufpause mit 'Cock Up Your Beaver', der wie ein traditionelles Lied arrangiert ist und sogar leicht emotional nachwirkt (wobei textlich...hmmm).

Meine Lieblinssparte des MCKENZIES-Sounds: Up-Tempo-Granaten, die kein Halten kennen und mit der präsentierten Instrumentierung einen Party-Pogo-Pulk provozieren werden - 'Nary Do Gooder' ist so ein Song. Herrlich. Und der nachfolgenden Track 'Death Of The Winnepeg Scene' überzeugt ebenso hingebungsvoll und prägnant. Ein souveräner Rocker, der mehr als nur Durchschnitt ist. Zuweilen merkt man der Platte an, dass ein Paul McKenzie vielleicht nicht mehr der Jüngste ist - wer ihn aber schonmal live beobachten durfte, merkt das Herzblut und die Authentizität, die der sympathische Typ versprüht. '36 Barrels' hat einen erwachsenen Sound, der zupackt und diese unglaubliche Eingängigkeit mitbringt, die anderen Folk-Punk-Bands manchmal abgeht. Obwohl als Ballade betitelt ('The Ballad Of Cpl. Hornburg') ist das folgende Lied weit davon entfernt - wieder erstaunen THE REAL MCKENZIES mit einem großartigen Händchen für Melodien und Dynamiken.

Mir fällt immer wieder auf, wie sehr ich die Gesangsstimme von Mr. Paul McKenzie liebe - v.a. wenn er die Strophen eines Songs mit limitierten Musik-Support singt, wie bei 'The Cremation Of Sam McGee' und sich seine Stimme so richtig entfalten kann - bekomme jedesmal Gänsehaut. Das Schlagwort "Gassenhauer" passt optimal für die Komposition, denn Eingängigkeit trifft auf dramaturgische Eleganz, die das Ganze zu einer kleinen Hymne macht. Zum Abschluss nochmal ein Instrumental - diesesmal wird der Dudelsack mit allen Mitteln unterstützt, so dass mit einem Bagpipe-Punkrock-Feuerwerk die Platte beendet wird.

THE REAL MCKENZIES bleiben THE REAL MCKENZIES - sie lassen auf "Beer And Loathing" zwar neue (minimale) Facetten zu, bleiben ihrem Sound aber treu. Trotzdem ist die Platte abwechslungsreich gestaltet und schöpft die kreativen Ideen wunderbar aus.

Album-VÖ: 03.07.2020