(Music For Nations/Sony)

BURY TOMORROW kennen zur Zeit nur einen Weg und zwar den nach oben. In den letzten Jahren haben sie sich eine immer größere Fanbase aufgebaut und seit dem letzten Album "Black Flame" gehören sie defintiv zu den ganz heißen Eisen im Metalcore-Feuer. Wo andere Bands sich irgendwann geöffnet und den ein oder anderen Stilwechsel mitgemacht haben, bleiben die Jungs aus Southampton aber ihrer Richtung treu. Harte Riffs treffen auf düstere Growls, aber alles stets unterlegt von eingängigen Melodien und wunderschönem Clean-Gesang. Das nun sechste Album "Cannibal" soll dabei das Persönlichste bisher sein. Shouter Dani Winter-Bates verarbeitet diesmal viele seiner eigenen Erfahrungen und das Thema geistige Gesundheit ist allgegenwärtig und die Texte oft sehr direkt, ohne sich in Metaphern zu verlieren.

'Choke' bringt genau das mit was man von einem BURY TOMORROW Song erwartet. Die Riffs fetzen, das Drumset ist schön druckvoll und die Growls sind tief. Der klare Gesang von Jason Cameron sorgt wie gehabt für einen sehr starken melodischen und emotionalen Aspekt, der seit jeher mit ein klares Alleinstellungsmerkmal für die Band darstellt. 'Cannibal' funktioniert eigentlich nach genau demselben Prinzip und bohrt sich auch ohne Umschweife fest in den Gehörgang. In Sachen Eingängigkeit macht den Jungs niemand so schnell etwas vor. Der wohl emotionalste Track der Scheibe wartet nun mit 'The Grey (VIXI)', bei dem uns Dani Winter-Bates sehr deutlich an seinem Gefühlsleben und Gedanken teilhaben lässt. Ein Text der es in sich hat und sehr viel zum Nachdenken anregt.

Ordentlich das Gaspedal wird bei 'Imposter' durchgetreten und die persönlichen Lyrics erweisen sich wirklich als große Stärke des Albums, wo man im Songwriting nicht wirklich etwas Neues wagt. 'Better  Below' muss aber auch nicht wirklich das Rad neu erfinden, wenn das Gewohnte hier so gut funktioniert. Der geneigte Hörer kriegt einfach genau das was er erwartet und das auf konstant sehr hohem Niveau. 'Agonist' schmeißt da auch eher wenig neues in den Ring, aber bei "Cannibal" war es definitiv auch nicht das Ziel sich als Band neu zu erfinden. Viel mehr hat man hier den eigenen Stil perfektioniert und mit starken Texten verbunden. Entgegen dem Titel hat 'Quake' schon eher etwas von einer Ballade, aber meine Fresse ist diese intensiv und gefühlvoll! Und davor Angst haben, das es nicht trotzdem ordentlich knallt braucht hier niemand und dann noch dieses wunderbare Gitarrensolo dazu, hierbei handelt es sich um BURY TOMORROW in Perfektion.

Photo by Paul Harries

'Gods & Machines' war die letzte Singleauskopplung vor dem Album-Release und man hört sofort warum man sich für dieses Lied entschieden hat. Hier greifen alle Zahnräder ideal ineinander und es beherbergt wohl das größte Hit- und Breakout-Potential von allen Stücken. 'Voice & Truth' gehört mit zu den härteren Titeln, aber auf "Cannibal" findet wirklich jeder Song seine melodische Seite und das spätestens wenn die Clean Vocals einsetzen. Auf älteren Platten gab es noch Songs, die durchgängig hart waren, das ist hier eher nicht mehr der Fall. Vom Songwriting her ist die ganze Scheibe nicht wirklich komplex und eher so ein Best-Of der BURY TOMORROW Formel. Ein bisschen mehr Abwechslung wäre da schon erfreulich gewesen, aber so funktioniert dann auch 'Cold Sleep' nach eben dieser Formel. Einen richtigen Hit gibt es zum Abschluss mit 'Dark Infinite', welches auch einen sehr guten Breakdown bietet.

BURY TOMORROW gehen auf Nummer sicher und versuchen auf "Cannibal" erst gar nicht mit neuen Experimenten daher zu kommen. Vielmehr gibt es genau das was die Fans wollen und diesmal mit wirklich sehr persönlichen Lyrics. Die Qualität ist durchgängig hoch, aber so wirklich riesige Ausreißer gibt es auch nicht. Wichtig ist es diesmal sich mit den Texten zu beschäftigen, denn davon profitieren die Lieder wirklich. Für mich persönlich reicht das Album aber weder an "Black Flame" noch "The Union Of Crowns" heran, welche einfach ein bisschen abwechslungsreicher waren. Aber das ist einfach meckern auf einem hohen Niveau und deswegen erlaube ich es mir einen Blitz abzuziehen.

Album-VÖ: 03.07.2020