(Polyvinyl Records/Specialist Subject Records/Quote Unquote Records/Broken Silence)

JEFF ROSENSTOCK ist wohl das was man einen alten Hasen im Musikgeschäft bezeichnen würde. Früher mit Bands wie Arrogant Sons Of Bitches oder Bomb The Music Industry! unterwegs und inzwischen gar beim vierten Solowerk angekommen. Was alle seine Platten bisher vereint: einfach tolle Musik, mit einem fantastischen Gespür für Melodien.

Fast schon Usus bei ROSENSTOCK, ist das seine Werke scheinbar aus dem Nichts erscheinen. So auch Album #4, "No Dream". Frisch von der Ostküste nach Los Angeles umgezogen, nahm Jeff Rosenstock "NO DREAM" zusammen mit Jack Shirley (u.a. Produzent für Deafheaven, Joyce Manor u.v.a.) im Atomic Garden Studio in Oakland auf. Erstmals war er auch zusammen mit Jack für den Mix des Albums verantwortlich. Um Computern "noch mehr als sowieso schon" fernzubleiben, wurde das Album direkt auf analoges Tape eingespielt. Das Ergebnis ist ein lebendiger, mitreißender und organischer Sound voller Energie.

"Das ist ein sehr persönliches Album für mich", sagt Rosenstock. "Die letzten zwei Jahre waren eine einzige existenzielle Krise für mich, in der ich mich gefragt habe, wer ich bin. Ich fand mich in einer überraschenden Position wieder. Ich hatte nie erwartet, dass ich 'Erfolg' haben könnte mit der Musik. Und plötzlich war es soweit. Ich hatte mich so sehr dran gewöhnt, Platten rauszubringen, die nur ein paar Leute im Underground interessierten, und Konzerte vor einer Handvoll Leuten zu spielen - ich musste mich mit diesen neuen 'Status' erstmal anfreunden“.

Wie gut diese Freundschaft funktioniert beweist "No Dream" über eine Distanz von 13 Songs. Und das verdammt einnehmend, catchy und großartig. Vielleicht mögen die teilweise doch recht simpel ausgestalteten Songstrukturen auf Kosten der Haltbarkeit gehen, aber für den Moment kann man sich eigentlich kein besseres ROSENSTOCK Album ausmalen. Den Start markiert das auf der Überholspur galoppierende 'No Time', 'Nikes (Alt)' werden anschließend auch keine zwei Minuten zugestanden und das Album steigert sich kontinuierlich bis zum ersten Highlight 'Scram!':

Das sich ausgerechnet der Titeltrack für mich als erster Skip-Titel erweist ist schade, aber wer den Ausflug zu den Punkwurzeln ROSENSTOCKs in der zweiten Songhälfte zu schätzen weiß, wird auch an diesem Track seinen Gefallen finden.

'State Line' ist im Vergleich ein recht gradliniger Track und mit dem wundervollen 'f a m e' erinnert man an typische Weezer Gitarren aus deren besseren Tagen.:

Der Rest des Albums ist schnell auserzählt. 'Leave It In The Sun' und 'Beauty of Breathing' sind solide Rocknummern, bevor man mit 'Old Crap' eine Reminiszenz an den Pop-Punk seiner frühen Tage, in dem sogar ein traditionelles "pick it up!" seinen Platz findet, platziert. Zu '***BNB' werden hoffentlich spätestens im Sommer 2021 die Punkkids vor der Bühne hoch und runter hüpfen und 'Monday At The Beach' wäre mit seinen 56 Sekunden Spielzeit die perfekte Klammer um "No Dream“ gewesen.

Obendrauf gibt es aber noch die mit etwas ruhigeren Momenten versehenen 'Honeymoon Ashtray' und 'Ohio Tpke', welche durchaus gelungen sind und beweisen welche Songwriterqualitäten in ROSENSTOCK stecken. Und das der Mann einfach ein grandioses Händchen für tolle Melodien besitzt. Man beachte nur das tragende Klaviermotiv zum Ausklang von 'Ohio Tpke'.

"NO DREAM" ist ab sofort überall digital erhältlich. Die physische Version des Albums erscheint am 21.08.2020 und kann ab sofort vorbestellt werden. Das Album erscheint über Polyvinyl Records / Specialist Subject Records sowie als spendenbasierter Download über Quote Unquote Records, dessen Erlöse an "Food Not Bombs" gespendet werden.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: ‘SCRAM’

Album-VÖ: 21.08.2020