(SharpTone Records)

BROADSIDE sind einer dieser Bands, die das "Glück" hatten, von Victory Records gesignt zu werden, weil sich die Labelbosse ordentlich Knatze versprochen haben, von dem recht beliebigen Pop-Punk der Band aus Richmond. Das Genre war damals mächtig angesagt, die Vans Warped Touren waren ein Kassenmagnet, deswegen haben BROADSIDE die Chance bekommen, mit mächtig PR-Power im Rücken durchzustarten. Allerdings haben sie es bisher nicht geschafft aus der zweiten Reihe herauszustolpern. Es fehlte das Gespür für besondere Songs, die sich im Zweifel als Hit entwickeln konnten. Wir haben die beiden Platten, die via Victory Records veröffentlicht worden sind, ebenfalls besprochen, haben den guten Willen und das Händchen für Melodien entdeckt, konnten uns aufgrund der Einfallslosigkeit aber bisher nicht zu Jubelstürmen hinreissen lassen.

BROADSIDE – Old Bones

BROADSIDE – Paradise

Nun hat die Band um Frontmann Ollie Baxxter einen neuen Heimathafen gefunden und sind zu SharpTone Records gewechselt. Da das wegweisende dritte Album ins Haus steht, wurde explizit am Songwritig gefeilt, um nicht Gefahr zu laufen in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. "Into The Raging Sea" markiert im Soundgewand einen notwendigen Wechsel, der es BROADSIDE erlauben soll, kreativer und einzigartiger agieren zu können. Produziert wurde die Platte vom Genrespezi Seth Henderson, der bereits für ähnlich gelagerte Bands wie Real Friends, State Champs oder Knuckle Puck die Regler in die richtige Position geschoben hat.

Dass der Opener und Titeltrack ausgerechnet als so ein Langweiler beginnt, macht es natürlich nicht unbedingt leichter, in die Platte reinzufinden. Die letzte Minute des Songs überrascht dann aber doch mit einem wahren Ausbruch in Hardcore-Gefilde mit gut platzierten Gebrüll, nachdem die Momente davor auf austauschbaren Alternative-Rock ausgerichtet waren. 'Foolish Believer' probiert es ebenfalls mit der Ignoranz gegenüber der musikalischen Vergangenheit und testet mit dick produzierten Pop-Rock die Synapsen des geneigten Fans aus. Bei 'Overdramatic' schmoren die wahrscheinlich komplett durch, denn auch hier ist von der bisherigen Band-Historie nicht viel erkennbar. Im Folgenden wird weiterhin zuckersüß abgeliefert, denn 'Nights Alone' malträtiert den Gehörgang mit austauschbarer Melodie, null Kreativität und tausendmal gehörten Formatradio-Strukturen.

Man kann bereits nach einem Drittel der Laufzeit von "Into The Raging Sea" konstatieren, dass BROADSIDE zwar erwachsener klingen und gewillt sind, ihren Sound anspruchsvoller zu gestalten - wenn die Zielgruppe Menschen sind, die auf Matchbox 20 und neuere Third Eye Blind stehen: Ziel erreicht. Die alten Fans werden sich vor den Kopf gestoßen fühlen, neue mit dieser belangslosen Gefühlsduselei zu akquirieren könnte ebenfalls schief gehen. Von daher ist der Wunsch nach Veränderung verständlich, die Umsetzung allerdings wenig bis gar nicht gelungen. Es wird auch nicht wirklich besser, denn Songs wie 'Heavenly', 'Clarity' oder 'Dancing On The Ceiling (With You)' sind Ärgernisse sondergleichen, die so trivial/ irrelevant sind, dass man sich wünscht seine investierte Zeit zurückgeschenkt zu bekommen.

Einzig der vorletzte Track 'The Setting Sun' lässt nochmal kurz Aufhorchen, wird aber durch den nachfolgenden Schlusspunkt 'Burning At Both Ends' mit seinem uninspirierten Pianogeklimper in den Abgrund gerissen.

Nee, Jungs! Das war überhaupt nichts. Während ihr "früher" wenigstens noch Schwung im Arsch hattet, seid ihr jetzt leider nur noch öde. Es gibt auf "Into The Raging Sea" ein paar Momente, die hochschauen lassen, aber überwiegend ist der Rest zum Einschlafen geeignet. Macht's gut, BROADSIDE - das war mein letzter Versuch mit Euch.

Album-VÖ: 24.07.2020