(Hopeless Records/ Soulfood)

NECK DEEP haben in ihrer achtjährigen Bandgeschichte daran mitgewirkt, dass die "New School of Pop-Punk" ihren derzeitigen Status innerhalb der Szene manifestiert hat. Mit ihren Kollegen wie z.B. Woes oder Trash Boat wurde v.a. aus England kommend, ein neuer Style generiert, der auf den Festivals dieser Welt mächtig Furore macht(e).

Mittlerweile haben NECK DEEP mit ihrem neuesten Output "All Distortions Are Intentional" das vierte Studioalbum vorliegen und daraus im Laufe der letzten Monate bereits fünf Songs als Singles veröffentlicht, die schon einen guten Vorgeschmack auf die musikalische Ausrichtung geben konnten. Die Jungs haben sich natürlich nicht komplett verändert, nur wurde das Songwriting straffer und fokussierter und die Songergebnisse lassen einen erwachsenen Ton zu und beweisen bisweilen den Mut zur Lücke, was natürlich der Individualität zu Gute kommt.

Bisher war es ja oft so, dass die Bands im Genre nur unterscheidbar waren, wenn man den Tonträger vor Augen hatte - zu gleich war der Sound mitunter. Der Mix aus schnellen Pop-Punk-Tunes und Easy-Core-Elementen (ohne das Gebrüll, aber mit den klischeebehafteten Jump-Parts) war nach einigen Jahren recht ermüdend und die Szene hat sich totgelaufen mit den immergleichen Strukturen und Stimmungen.

NECK DEEP probieren einen Mix zu finden, der Weiterentwicklung und Wiedererkennung vereint und haben das Talent, diesen Anspruch entsprechend umzusetzen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie es die Truppe schafft, jeden Song innerhalb der Formatlänge von knapp dreieinhalb Minuten abzuhandeln. Die Stimme von Sänger Ben Barlow ist durch seine kristallklare Aussprache und dem angenehmen Ton schon sehr eigen und bewahrt NECK DEEP vor der Belanglosigkeit.

'Sonderland', 'Empty House', 'Telling Stories' wie auch die schon releasten Tracks zeigen NECK DEEP auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, da der Song an sich im Fokus steht und die Kompositionen mittlerweile eine Dichte erreicht haben, die in der richtigen Stimmung beeindruckend homogen das Ohr des Zuörers flutet.

Die Highspeed-Attacken halten sich sehr in Grenzen, dafür haben Midtempo-Songs die Oberhand - aufgrund der entspannteren Herangehensweise, ist die Performance natürlich umso wichtiger, da mögliche Defizite schneller aufgedeckt werden. Aber gerade hier zeigen NECK DEEP, dass sie schon immer das Händchen für großartige Melodien hatten und das Anhören von "All Distortions Are Intentional" kein einmaliges Vergnügen bleibt.

Vielleicht haben die Jungs sogar eines der besten Platten in diesem Bereich im ersten Halbjahr herausgebracht? Klar, subjektive Einschätzung, aber gerade im Genre des poppigen Punkrocks habe ich bisher selten entwaffendere Songs gehört im Corona-Jahr.

Album-VÖ: 24.07.2020