(Fat Wreck Chords/ Edel)

"10 Rounds Of Medio-Core" werden uns versprochen. Ob dies FRANK TURNER und NOFX konsequent abliefern, zeigt uns die Split-LP "West Coast Vs. Wessex". Nachdem NOFX bereits vor 18 Jahren das Konzept der gegenseitigen Coversongs durchexerziert haben (damals mit Rancid) und auch FRANK TURNER nicht verlegen ist, Tribute von bekannten Hits als auch befreundeten Musikern in seine Livesets und EP-Veröffentlichungen einzubauen, klingt die Idee einer Cover-Split-Platte durchaus verlockend.

NOFX beginnen mit fünf Songs und haben sich zu Beginn für 'Substitute' entschieden - ein Livekracher von Mr. TURNER. Und wie zu erwarten, geben NOFX nach kurzem Off-Beat-Intermezzo Vollgas und verleiben sich das Stück in bekannter Manier ein. Absolut gelungen. 'Worse Things Happen At Sea' wird ähnlich angegangen - erst eine düstere Midtempo-Punknummer, die dann dem einzigartigen NOFX-Sound weicht und den Song perfekt beendet. 'Thatcher Fucked The Kids' ist ja schon bekannt und macht aus Folk-Rock eine feine Ska-Interpretation. Bei dem perfekten Originalsong 'Ballad Of Me And My Friends' können NOFX mit ihrem Cover nicht anstinken und verlieren den direkten Vergleich haushoch. Auch 'Glory Hallelujah' ist im Original tausendmal besser, wobei es sich NOFX trauen, aus dem Song fast schon eine Musical-Nummer zusammenzuschustern. Sehr eigen und deswegen überraschend okay.

Dann übernimmt FRANK TURNER das Zepter und versucht seinen Helden ein Denkmal an respektvollen Coverversionen zu bauen ohne seine eigenen Stil zu verleugnen. Beginnend mit 'Scavenger Type', der durch die britische Aussprache und schwungvoller Instrumentierung eine Leichtigkeit erhält, die dem ohnehin tollen Song neue Nuancen abgewinnt. Starker Einstieg, der nach unter zwei Minuten schon zuende ist. 'Bob' war mein Lieblingssong als Teenager und noch immer werde ich nicht müde, dieses Meisterwerk regelmäßig in meine Playlist zu packen. Nun versucht sich FRANK TURNER an dem Track und gibt ihm natürlich eine ganz andere Richtung - was zum einen dem Konzept eines Covers entspricht, zum anderen dem Song aber nicht wirklich zugute kommt. Irgendwie Uninspiriert und öde das Ganze. Nun gut, ganz schlecht ist es auch nicht geworden, aber es fehlt an allen Ecken und Kanten - das ironische Video dazu ist wiederum toll. Zu den ungewöhnlichsten Songs, die NOFX bisher rausgebracht haben, gehört sicherlich 'Eat The Meek'. Der gute FRANK zaubert aus dem Lied eine spannende Indie-Shoegaze-Nummer, die der ursprünglichen Komposition neue Facetten entlockt. 'Perfect Goverment' ist erwartbar gecovert worden - ein NOFX-Song im FRANK TURNER-Style. Nicht Weltbewegendes, aber stimmig. Zum Abschluss enttäuscht der Brite leider etwas mit seiner Idee 'Falling In Love' einen gänzlich neuen Anstrich zu verpassen. Das Original erkennt man höchstens textlich, zudem wurde die musikalische Umsetzung komplett gegen die Wand gefahren. Unbefriedigendes Ende einer unterhaltsamen Kollaboration.

Im Großen und Ganzen ist "West Coast Vs. Wessex" eine Sammlung von netten bis sehr guten Songs, die den Originalversionen respektvoll begegnen und manchmal sogar eine neue Sichtweise eröffnen. Positiv ist auch, dass weder NOFX noch FRANK TURNER das Duell für sich entscheiden konnten, sondern sich der geneigte Fan als Gewinner fühlen darf.

Album-VÖ: 31.07.2020