(Big Scary Monsters/The Orchard)

Man ist es ja gewohnt, dass in den Promomails zu den Platten die uns erreichen kräftig auf die Kacke gehauen wird. Stets wird „The Next Big Thing“ ausgerufen oder wie in diesem Fall das „bestgehütetste Geheimnis der US-Rock-Undergroundszene“. Natürlich sollte man das nicht verpassen und dieses Mal meinen es die Promomenschen auch 100%ig ernst, aber nach dem ersten Durchlauf von illuminati hotties bin auch ich einigermaßen geplättet und ein bisschen verliebt in diesen aufregenden Sound der mit Größen wie Dead Kennedys, Black Flag oder Death Grips um die Wette rotzen kann.

Bei einer Gesamtspieldauer von 23 Minuten kann man eigentlich gar nicht von einem Schnelldurchlauf sprechen. Wie ein Hochgeschwindigkeitszug rasen illuminati hotties durch die 12 Tracks ihres Zweitwerks. Die Energie und Ungeduld der amerikanischen Indie-Pop Band ist auf diesem Mixtape allgegenwärtig. Bereits Anfang Juli veröffentlichte die Band das Werk via Soundcloud und weihte nur ausgewählte Fans via Twitter ein. Seit 17.Juli kann man das Album nun auch über die gängigen Streamingportale hören. Und wer ein Herz für Gitarrenmusik hegt, der wird sich hier begeistern lassen. Gestartet wird mit der ersten Single 'will i get cancelled if i write a song called 'if you were a man you'd be so cancelled'' – welche zwar leicht sperrig klingt wie ihr Titel, aber dennoch Interesse weckt:

Der hier begonnene wilde Ritt setzt sich in 'free ppls' fort, bevor man mit 'freequent letdown' einen absoluten Pop-Hit, samt catchy Refrain, von der Leine lässt. Spätestens mit 'melatonezone' zeichnet sich ab, dass dieses Album keine einheitliche musikalische Stimmung besitzt. Und das ist tatsächlich die große Stärke. Das Album dreht Pirouette um Pirouette im Kopf des Hörers, ist kunterbunt und wehrt sich gegen jegliches Schubladen-Denken. Und so erwartet einem mit jedem weiteren Track eine neue Überraschung. Sei es eine Quasi-Ballade wie 'free dumb', eine frickelige und mit Industrial-Elementen versehene Nummer wie 'content/bedtime' oder ein akustischer Ohrenschmeichler wie 'reasons 2 live'.

Unterm Strich muss man dem Projekt von Sarah Tudzin jede Menge Respekt zollen. Denn wer es schafft in einer Spielzeit von unter 25 Minuten eine solch abwechslungsreiche und dennoch gut hörbare Platte, die auch noch wild, laut, klug und zeitgemäß klingt, zusammen zu basteln, der verdient sich eine ganze Reihe an Gestromt Blitzen.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'freequent letdown'

Album-VÖ: 17.07.2020