(Out of Line Music)

Deutschlands Nr. 1 Rammstein-Coverband, welche gar nicht Rammstein covern, sind zurück. Aber in der Vergangenheit haben sich die Mannen von OST+FRONT einfach zu deutlich am Liedgut des große Vorbilds orientiert, um nicht zu sagen dreist abgekupfert. Dabei hatte man sich mit dem dritten Album "ULTRA" eigentlich gut abgegrenzt gehabt, nur um dann mit "Adrenalin" wieder stark nachzulassen. Nun steht "Dein Helfer in der Not" vor der Tür und soll laut Band uns durch diese schwere Zeit der Pandemie helfen. Textliche Bezüge zur aktuellen Lage sollte man aber nicht erwarten, stattdessen gibt es das gewohnte Programm aus Sexismus und Gewaltverherrlichung, damit man auch weiterhin möglichst stark polarisiert und die Blicke auf sich ziehen kann. Irgendwo versucht man das zwar im Rahmen der Gesellschaftskritik zu halten, aber das klappt auch nicht immer.

Bei 'Geld Geld Geld' hört man die Kritik ohne Zweifel gut raus und es handelt sich um ein eher ruhigeres Lied. Die Vergleiche mit Rammstein muss man sich aber auch hier gefallen lassen, da Sänger Hermann Ostfront, stimmlich Till Lindemann einfach sehr nahe kommt. Es kommt fast erschreckend zahnlos daher und das folgende 'Schau ins Land' geht auch eher auf einen Kuschelkurs. War das aktuelle Rammstein Album eher soft, so scheinen es OST+FRONT genau so zu handhaben. Viel davon bleibt einfach nicht hängen, aber 'Honka Honka' fängt wie ein witziges Kinderlied an und setzt damit ein Zeichen. Das der Text um den Mörder Fritz Honka geht und damit alles andere als kindertauglich ist, verwundert dabei aber eher weniger. Musikalisch ist es auf jeden Fall deutlich stärker, auch wenn der Text recht oberflächlich daher kommt. 'Sex, Schnaps und Gewalt' hat tatsächlich einen deutlich anderen Stil und erinnert eher an deutschen Prollrock, leider auch in Form der Lyrics, welche einfach zum Fremdschämen sind.

Richtig knallig geht es mit 'Ikarus' zur Sache, bei dem es endlich mal instrumental schön was auf die Ohren gibt. Und auch die Texte sind nicht platt, sondern können sich hören lassen. Dem Thema Totgeburt und Missbrauch widmet man sich in 'Was einmal war' und zwar in Form einer Ballade, welche auch recht gut gelungen ist. Richtig klischeehaft wird es in 'Mein Eigentum', welches diebisch im Liedgut von Rammstein räubert. Aber Sadomasochismus ist ja eh immer ein gefundenes Fressen für die schwarze Szene. Apropos schwarz, nun folgt das Ausnahmelied auf "Dein Helfer in der Not" und es heißt 'Schwarzer Helmut' und kommt ganz ungeniert als Ballermann Hit daher. Bestimmt die Nummer auf der nächsten Metal- oder auch Schlagerparty. Immerhin beweist man hier viel Humor und bietet auch musikalische Abwechslung.

Mit 'Die Räuber' wagt man sich an ein Lied welches quasi ein Märchen erzählt. Das Thema natürlich mal wieder Mord und andere Gräueltaten, aber irgendwie kommt der musikalische Aspekt hier deutlich zu kurz. Grade in den Strophen ist es eigentlich fast nur eine Erzählung und hat nur noch wenig von einem Lied. Bei 'Porco Dio', also dem Schweinegott, geht es dann um einen masturbierenden Mann. Textlich unglaublich schwach und musikalisch eine dreiste Rammsteinkopie, lohnt es sich nicht mehr über dieses Lied zu schreiben. 'Zaubertrank' erinnert eher an Mittelalterrock was den Text angeht und ist auch sonst eher entfernt von den typsischen OST+FRONT Klängen.

Photo courtesy of Out Of Line Music

'Frauenzimmer' ist wohl die liedgewordene Vergewaltigungsfantasie von OST+FRONT und das finde ich einfach widerlich, aber es soll noch nicht der Tiefpunkt auf "Dein Helfer in der Not" sein. Man will ja auf Teufel komm raus die Skandale haben, also nennt man das letzte Stück natürlich ganz provokativ 'Untermensch'. Der Titel ist leider auch das einzige was hier Aufmerksamkeit erregt, textlich und musikalisch ist es einfach zu belanglos.

Da man im Hause OST+FRONT ja nicht dumm ist packt man 'Viel Spaß beim Sterben' auf die Bonus CD, denn hierbei handelt es sich um absolut widerliches Liedgut, welches in meinen Augen auf den Index gehört. So ruft man hier ganz ungeniert zur Selbstjustiz auf. Und das zu einem Thema welches eigentlich die Rechte Szene für sich gepachtet hat. Und zwar geht es um einen Kinderschänder und die Band besingt dann fröhlich wie man eben diesen foltern und möglichst brutal umbringen sollte. Hier beweist die Band überhaupt keinen Funken Feingefühl mehr und betreibt eklige Schwarz-Weiß Malerei. Als ob das Töten eines Menschen eine lobenswerte Sache sei. Bei Texten wie "Hass, Hass, Hass! Kinderschänder an die Wand" gibt es gar keinen Raum mehr für Gesellschaftskritik, sondern man gibt sich einfach seinen niederen Instinkten hin. Wenn man jetzt noch nen paar Rechtsrockfans dank des Themas für sich gewinnt, findet man das anscheinend auch gar nicht mehr so schlimm oder wie sieht das aus liebe Freunde von OST+FRONT?

'Roter Bau' ist ein weiteres Bonusstück auf CD2 und überrascht als Grindcorenummer mit Schweinegegrunze. Richtig geiles Stück was mir außerordentlich gut gefällt und mal so gar nichts damit am Hut hat, was man hier sonst so zu hören kriegt. 'Der Anfang' ist eigentlich nur ein instrumentales Outro und dann gibt es noch 11 Remixe oben drauf.

Schade, nach dem 2016er Album "ULTRA" hatte ich ja noch hohe Erwartungen an die Band, aber schon 2018 war "Adrenalin" schon wieder ein Schritt in die falsche Richtung. Mit "Dein Helfer in der Not" geht es nun richtig den Bach runter. Zu viele Lieder sind belanglos und ohne Power. Dazu sind die Texte zu oft zum Weglaufen und auch musikalisch hat man noch mehr nachgelassen. Und ein Lied wie 'Viel Spaß beim Sterben' darf sich in der Form auf keinem Album wiederfinden, ob nun Bonus CD oder nicht ist dabei total egal. Schade OST+FRONT, aber man darf euch wohl doch endgültig abschreiben.

Album-VÖ: 31.07.2020