(End Hits Records/ Equal Vision Records)

Um mal kurz die Hard-Facts zum Besten zu geben: BE WELL sind eine sogenannte Super/ All-Star-Group und haben es sich im Hardcore der 90er gemütlich gemacht. Mit Mitgliedern bestehend aus Musikern von Battery, Fairweather, Bane und Darkest Hour ist eine Mannschaft zusammengekommen, die den Jungspunden des Genres mal locker aufzeigt wie Hardcore heutzutage funktioniert. Wir haben bereits die erste selbstbetitelte EP von BE WELL besprochen und waren schwer angetan.

BE WELL – Self-Titled 7″

Mal gucken was das Full-Length-Debüt "The Weight And The Cost" an Energie und Charme dazupacken kann. Inspiration trifft auf Unbequemlichkeit und textlich kann es dunkel und zuweilen unerbittlich sein. Musikalisch werden natürlich alte Tugenden bedient, die von den legendären Bands des BE WELL-Personals bekannt sind.

Genau das wird von Beginn an auch abgefeuert. 'Meaningless Measures' ist eingängig, in den Strophen teils gefühlsbetont, entwickelt ab der ersten Sekunde aber gleichzeitig einen Elan, der an die guten Tracks (also alle!) von Strike Anywhere erinnert. Das folgende 'Magic' ist für einen Hardcore-Song mit dreieinhalb Minuten überraschend lang geraten, kann diese Laufzeit aber vollends füllen mit einer Hingabe, die im aktuellen HC-Zirkus Ihresgleichen sucht. Gänsehauterzeugendes, emotionales Meisterwerk. 'Strength For Breath' oder 'Morning Light' beispielsweise atmen diesen wahnwitzigen D.C.-Hardcore, der mit einer ordentlichen Schippe NYHC kombiniert wird und Songs entstehen lässt, die man als Liebhaber des Genres nie wieder aus seinem Gedächtnis streichen möchte. Tolle Melodieführungen, die mit Wucht präsentiert werden.

Der Titelsong wiederum hat einen einnehmenden Charakter aufgrund der emotionalen Grundausrichtung, der mit großartigen Post-Core-Momenten kollidiert und an alte Thursday-Meisterwerke herankommt. 'Each Passing Day' knallt dir dagegen den nächsten Posi-Hardcore-Brecher (zumindest musikalisch) um die Ohren. Abwechslung wird groß geschrieben auf "The Weight And The Cost" und Frontmann/Produzentenlegende Brian McTernan findet immer den richtigen Ton, um die Musik mit seiner Stimme formvollendet nachwirken zu lassen. Auch die weiteren Tracks auf dem Debüt wie z.B. 'Aperture' oder 'Confessional' beeindrucken mit einer Eleganz, die man dem Genre kaum zutrauen würde.

Meine Damen und Herren und Liebhaber von Middle-School-Hardcore - hier ist Ihre nächste Lieblingsplatte!! BE WELL ist hoffentlich nicht nur ein Projekt, denn die Energie, die auf "The Weight And The Cost" transportiert wird, muss auch live erlebt werden. Es dürfen demnach ruhig mehr Alben dieses Kalibers entstehen.

Album-VÖ: 21.08.2020