(Long Branch Records)

Die Box möge geöffnet werden. Seit gefühlten Ewigkeiten freue ich mich persönlich auf dieses Release des Paderborner Quartetts KID DAD. Die Musiker die sich irgendwo zwischen KID und DAD (und hoffentlich noch weit entfernt von DEAD) befinden haben endlich ihr Debüt Album veröffentlicht. Nach ihrer Debüt EP ''Disorder'' mit welcher sie unzählige Supportshows gespielt haben, unter anderem bei Taking Back Sunday, Sorority Noise oder den Blackout Problems, sowie einer Single ('My Inner Baby'), die zwar erwähnenswert ist, es aber leider nicht auf das Album geschafft hat, ist es soweit.

Um das einmal grob einzuordnen, was das für Musik ist: Ich weiß es nicht. Die Band selbst nennt es „Sad Music“. Das beschreibt es inhaltlich tatsächlich sehr gut. Die inneren Probleme werden genommen und in die allbekannte Box gesperrt – aber nicht verbannt. Es ist eher ein Festhalten an wahren Gefühlen, um die Betäubung von der universellen poppigen Glücklichkeit zu ignorieren. In dieser Box wird gewühlt. Immer wieder und wieder. Über elektronische Töne als Einleitung bis hin zu abgefahrenen Gitarrenriffs. Es ist eine Art Selbstfindung. Die Songs des Albums wurden über einen längeren Zeitraum, in verschiedenen Ländern und Lebenssituationen geschrieben und entwickelt. Manche sind auch tatsächlich frankensteinartige Fusionen aus zwei eigentlich verschiedenen Songs. Alle Songs wurden ebenfalls in verschiedenen Locations aufgenommen. Dadurch entsteht eine unglaubliche Diversität, ohne dabei den roten Faden zu verlieren.

KID DAD sind – je nach dem wie man es sehen möchte – DIYler oder Kontrollfreaks. Vom Artwork über die Musikvideos ist alles in Eigenregie entstanden. Musikvideos, Artwork, Album und mal eben noch kurz die Welt retten. Das ist KID DAD. Mit ihrem Song 'Limbo' haben sie nämlich gleichzeitig auch eine Charity-Aktion ins Leben gerufen. Mit "SAFE IN A BOX" sammelt die Band Geld für die Arbeit von SOS Kinderdorf e.V. sowie der NSPCC aus England. Beide Organisationen helfen Kindern, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Mehr Informationen dazu gibt es unter kid-dad.com/safeinabox.

International geht’s weiter. Nachdem die Band mit den Deadnotes auf UK und Skandinavien Tour gegangen ist, machen sich KID DAD jetzt demnächst auch mal als Headliner auf den Weg durch UK. Davor gibt’s aber auch noch die Möglichkeit KID DAD hier in Deutschland zu bestaunen.

17.02. Berlin, Badehaus
18.02. Köln, Blue Shell
19.02. Hamburg, Nochtwache
20.02. Braunschweig, B58
21.02. München, Folks!
20.03. UK - Bristol, Rough Trade
22.03. UK - Glasgow, Bloc+
23.03. UK - Manchester, Castle Hotel
25.03. UK - Birmingham, Subside
27.03. UK - London, Victoria

Vor der wichtigsten Frage habe ich mich jetzt die ganze Zeit gedrückt: Wie ist ''In A Box'' jetzt? Und es gibt einfach nicht genug Adjektive, um das zu beschreiben... Es ist unfassbar geil. Es ist eine gefühlsvolle, intime, ehrliche, wandelbare Box. Eine emotionale Achterbahnfahrt mit Höhen, Tiefen und Loopings.

Album VÖ: 21.08.2020

Diese Rezension wurde von unserem Gast-Redakteur Robert Tappe verfasst.