(Inside Job-eOne/SPV)

Wie so viele andere Bands, mussten auch die Engländer COLD YEARS die Veröffentlichung ihres Album "Paradise" um einige Monate nach hinten verschieben. Gründe dürften bekannt sein und ich werde das Wort nicht niederschreiben. Gerade bei den Jungs von COLD YEARS ist es allerdings sehr ärgerlich, weil "Paradise" ihr Full-Length-Debüt ist und sie bereits mit diversen EPs in den vergangenen Jahren für Furore und einiges Interesse in der Punkrock-Szene gesorgt haben. Touren und weitere Promoaktivitäten sind ebenfalls hinfällig, deswegen hat das Quartett die Not zur Tugend gemacht und einen großen Teil ihrer Songs mittlerweile mit Videos zur Verfügung gestellt.

So kann man sich einen Eindruck zum Heartfelt-Punkrock der sympathsichen Herren machen, die in bester Gaslight Anthem-Manier losrockern und der Eingängigkeit jede Menge Platz eingeräumt haben. Im Grunde kommen COLD YEARS zum richtigen Zeitpunkt mit ihrer Platte um die Ecke, denn ein spannendes Bruce Springsteen-Punkrock-Vehikel lässt seit einigen Monaten auf sich warten (das letzte Highlight waren Little Teeth).

Mit viel englischen Charme sind bereits die ersten Songs auf "Paradise" ('31', 'Life With A View' und 'Night LIke This') eine schöne Motivation, das Bier seiner/ihrer Wahl in die Luft zu stemmen und die catchy Refrains lauthals mitzusingen. Mich persönlich erinnert der Gesang immer etwas an The Flatliners, was beileibe keine Beleidigung sein soll. 🙂

Weitere Höhepunkte einer tollen, positiv besetzten Platte sind z.B. 'Too Far Gone', 'Burn The House Down', 'Dropout' (hat was von 80er-Rock) oder '62 (My Generation's Falling Apart)'. Alle Kompositionen pendeln sich im Schnitt bei den magischen dreieinhalb Minuten ein und sorgen für eine angenehme Kurzweiligkeit, weil Ideen und Momente nicht totgedudelt werden.

So erschaffen COLD YEARS ein nettes (positiv!) Album. Das Wort Innovation wird im Zusammenhang mit "Paradise" eher weniger zum Zuge kommen, dafür Worte wie Spass, Glücklichsein, Punkrock. Und das ist mir allemal lieber als verkopfter Anspruch, dem kein Mensch folgen kann.

Fazit: "Paradise" ist ein einnehmendes und liebenswertes Album, welches einige neue Lieblingslieder parat hält. Es ist COLD YEARS zu wünschen, dass die Einschränkungen baldmöglichst wieder zulassen, dass die Band auf Tour kommen kann. Sich verschwitzt in Arm zu liegen und Heartland-Punkrock mitzugröhlen fehlt immens.

Album-VÖ: 04.09.2020