(Candlelight/ Spinefarm)

Weitab von seinem eigentlichen Betätigungsfeld, der (pausierenden?) Melodic-Black-Metal-Band Emporer, hat sich deren Sänger/Gitarrist, Songschreiber und Gründungsmitglied Vegard Tveitan unter seinem Pseudonym IHSAHN ein zweites musikalisches Standbein geschaffen. Hier kann er sich austoben und probiert sich zuweilen an Post-Rock und Classic-Rock-Elementen aus. Jede Veröffentlichung birgt Überraschungen, so dass man IHSAHN nicht einfach in Genre-Schubladen pressen kann, was das Entdecken seiner Songs aufregend macht.

Mit "Pharos" folgt die zweite EP in diesem Jahr. "Telemark" war sehr düster gehalten, während "Pharos" bereits im Vorfeld verspricht zugänglicher und heller zu sein. Fünf Songs präsentiert uns der Norweger und verblüfft wieder mal mit seinem songwriterischen Potenzial.

Die drei Eigenkompositionen 'Losing Altitude', 'Spectre At The Feast' sowie der Titeltrack 'Pharos' zeigen einen Mann, der introvertiert agiert, aber die große Geste beherrscht. Jedes Lied besticht mit einer grandiosen Spannungsbogen - leise Momente werden zu akustischen Wänden aufgetürmt, die mit einem hintergründigen Popappeal und prägnanten Gitarren kurz vor'm Einstürzen stehen. Mich erinnert das etwas an die "Sap"/Jar Of Flies"-EPs von Alice In Chains - v.a. was die Grundstimmung betrifft. 

IHSAHN hat es sich nicht nehmen lassen und zwei Coversongs zur Verfügung gestellt. Zum einen 'Roads' von der UK-Triphop-Sensation Portishead, zum anderen 'Manhattan Skyline' seiner Landsmänner A-ha. Beide Versionen sind nah am Original konzipiert und werden durch wohldosierte Nuancen zu IHSAHN-Songs. Die respektvolle Neuinterpretation durch Herrn Tveitan beweist auch allen Mainstream-Verweigerern, dass A-ha großartige Lieder und Popmelodien ersonnen haben und mehr Credibility verdient haben, während dies bei Portishead nie zur Diskussion stand. Zwei wundervolle Pop-Songs, die mit dem gefühlvollen Gesang von IHSAHN zu neuen Großartigkeiten werden.

"Pharos" ist eine spannende und einnehmende EP, die IHSAHN von seiner verletzlichen und popaffinen Seite zeigt. Die überraschend eingängigen Songs haben es verdient einem größeren Publikum zugänglich gemacht zu werden und v.a. der A-ha-Coversong kann hoffentlich für die notwendige Aufmerksamkeit sorgen.

EP-VÖ: 11.09.2020