(Bloodstream/The Orchard)

Totgesagte leben länger – die allseits bekannte Redewendung passt zur Musikrichtung „Emo“ momentan wie die Faust aufs Auge. Mitte der 90er präsentierte sich dieses Genre mit Bands wie Jimmy Eat World, Sunny Day Real Estate oder den Get Up Kids in vollster Blüte. Im neuen Jahrhundert wurde es jedoch Jahr um Jahr stiller im Emo-Lager. Zwar gab es hie und da noch Alben der stilprägenden Größen, doch frische und neue Impulse blieben größtenteils aus. Bis jetzt, denn das Genre erstrahlt momentan in neuem Glanz. Mit ELM TREE CIRCLE, REMO DRIVE oder MEMORIEZ haben junge Bands dieses Jahr neue Alben auf den Markt geschmissen, welche der Szene eine wohltuende Frischzellenkur einimpfen. Und dieser Riege aufregender Bands lassen sich auch LINHAY zuordnen.

LINHAY kommen aus Kiel und bestehen bereits seit Ende 2016. Eine gewisse Aufmerksamkeit der Szene ist der Band durch die Tatsache vergönnt, dass sich mit Bassist Gunnar Vosgröne, ein Ex-Bandmember der Kieler Band Escapado, wiederfindet. In den letzten vier Jahren veröffentlichte die Band die Demo "You and I" (2017), eine Split-EP "&" mit der Band East, sowie eine Soli-Single für Seawatch, welche man hier hören kann: https://linhay.bandcamp.com/track/the-strangest-dream

Der Debüt-Longplayer "On How To Disappear" bietet ausschließlich frisches Songmaterial und erstreckt sich über elf Tracks mit der Spieldauer einer Schulstunde. Nun gut, ein Intro und ein Interlude kann man eventuell im Kopf abziehen, aber für die Stimmung der Platte sind die Zwischenspiele enorm bedeutsam. Das gesamte Album besticht durch eine sehr klare und saubere Produktion. Der meist in Hall getränkte Gesang lässt einem wohlige Schauer über den Rücken laufen und die oftmals durchschimmernde Melancholie sorgt für den ein oder andere Erpelparker beim Zuhörer. Ein gelungenes Beispiel stellt hier auch die Album-Single 'Water' dar, für welche die Band einen sehenswerten Clip produzierte:

Musikalische Fixpunkte lassen sich auf dem Debüt, welches verdammt abgeklärt wirkt und sicherlich enorm von der Versiertheit der Band profitiert, einige finden. 'In Sunshine And In Shadow', 'Uneasy', 'Poem' oder 'Shy'. Es gibt eigentlich keinen Titel der wirklich abfällt. Die Tracks schimmern in schönsten Indierock herbstfarben, statt neongrell zu blenden. Ein gutes Indiz für gutes Songwriting ist dabei stets, wenn die Songs auch in einem anderen Umfeld oder Arrangement funktionieren. So wie '2412', welches die Band nochmal in einer atemberaubend schönen Version in einer Kirche neu eingespielt hat:

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Uneasy'

Album-VÖ: 04.09.2020