(Rise Records)

Die letzten Jahre gab es leider wenig Highlights, die dem Genre Pop-Punk geholfen hätte. Klar, die Flut an Veröffentlichungen ist nie abgerissen, aber das Meiste versank in Klischees und Songs, die sich selbst kopiert haben. Das tausendfache Wiederholen von eingängigen, teils eklig süßen Melodien und Texten, die jeder Schüler in sein Poesieheft kritzeln kann, hat dem Genre nicht unbedingt geholfen ernstgenommen zu werden.

Ist Pop-Punk tot!? Weit gefehlt, denn KNUCKLE PUCK schicken sich an, dem Genre mit ihrem dritten Album "20/20" den notwendigen Arschtritt zu verpassen. Das Quintett aus Chicago war seit Anbeginn immer etwas fokussierter und aggressiver als der Großteil der Kollegen. Die Vorgängeralben "Copacetic" und "Shapeshifter" höre ich noch immer sehr gerne - diese haben allerdings auch einiges an Zeit gebraucht, bis ich die Relevanz erkannt habe.

Das dritte Studioalbum stellt ja angeblich eine Zäsur einer jeden Band dar. Entweder bleibt man sich seinem etablierten Sound treu und vertraut darauf, dass die Fans den Schritt weiter mitgehen oder man probiert neue Sachen aus, die anspruchsvoller sind und den eigenen Stil auf ein anderes Level hieven sollen. KNUCKLE PUCK machen alles richtig, denn...sie bleiben ihrem Stil treu. Wunderbar catchy, aber immer den Hauch Extra, den ich zwar nicht besser umschreiben kann, aber aus Beliebigkeit einen Wiedererkennungswert generieren.

Im Grunde braucht man die Songs auf "20/20" nicht einzeln analysieren, da das Erwartbare geliefert wird, aber soviel Schwung hat, dass die Platte als Ganzes enorm nachhaltig wirkt. Es werden keinerlei innovativen Ideen verwendet, aber das Songswriting ist straff und die Hitdichte schon beeindruckend. Mit Derek Sanders (Mayday Parade) gesellt sich bei einem Song ('Breathe') auch ein populärer Kollege dazu, der aber aufgrund der Ähnlichkeiten im Gesang keinen Mehrwert mitbringt, außer dass sich Freunde im Studio gegenseitig supportet haben. Szeneding und so. 🙂

In übersichtliche Drei-Minuten-Songs gepresst, schaffen KNUCKLE PUCK das Kunststück mit Musik mitzureißen, die die letzten Jahre teils extrem genervt hat. Sie packen in die Schublade "Pop-Punk" wieder etwas Authentizität hinein und können mit ihrem Album "20/20" mehr als zufrieden sein. Ich bin's.

Album-VÖ: 18.09.2020