(The Sign Records)

Wie sehr kann man auch im Jahr 2020 nach 70er-Jahre Proto-Rock/ Hardrock klingen? NIGHT aus Schweden eröffnen die Diskussion mit ihrem vierten Album "High Tides, Distant Skies" auf's Neue und legen schonmal ihre Interpretation offen. Dass die Referenzen bis zu einem halben Jahrhundert alt sind, kann man bereits bei der Betrachtung von Bandfotos vermuten - die Musik tut ihr Übriges. Die Zeitmaschine ist angeworfen. Die Cordhemden sind gebügelt, die Schlaghose schlabbert und die Kopf-/Gesichtsbehaarung fällt unter den Begriff "Vermummung". Das Albumcover könnte klischeebehafteter nicht sein, ist aber zugegebenermaßen wunderschön.

Neun Songs präsentieren uns NIGHT auf "High Tides, Distant Skies". Um mal kurz einen Eindruck zu vermitteln, wie NIGHT ihren Style selbst beschreiben, sei ein Zitat von Sänger/ Gitarrist Sammy Ouirra vorangestellt: "Rock is a serious thing, but at the same time, it cant be taken to serious. Rocking is fun and fun it shall remain. For us, I think the future is looking bright and it's feeling groovy. Put on your boots and get ready for the next chapter of NIGHT! Imagine a twilight zone where disco didn't die and rock music was allowed inside studio 54!" Genau so und nicht anders.

Ein paar Twin-Gitarren beim Einsteiger 'Shadow Gold' setzen gleich mal die richtigen Akzente, um sich im Universum des Quartetts heimisch zu fühlen. Dazu wird der Midtempo-Rocker mit teilweisen Doppelgesang aufgewertet, so klingen die Refrains noch einnehmender und -gängiger. Die Porduktion des Albums verzichtet ebenfalls auf die modernen Techniken, sondern atmet einen erdigen Sound, der das favorisierte Musik-Jahrzehnt perfekt kopiert. NIGHT bauen ihre Songs sehr gitarrenorientiert zusammen und schaffen dadurch ein Momentum voller Nostalgie, wie z.b. der zweite Song 'Burning Sky' eindrucksvoll beweist. Im Anschluss wird das Tempo etwas behäbiger, gleichzeitig aber fokussierter, denn 'Crimson Past' hat ein bisschen was von Neil Young.

Dass NIGHT auch heavy-rockend beherrschen zeigen sie mit 'Give Me To The Night'. Da wirbelt das Haupthaar und die Anklänge an den britischen Hardrock der 70er (Rainbow/ Hawkwind) werden sympathisch kundgetan.

Im Großen und Ganzen kann man konstatieren, dass die Schweden einen nostalgischen Blick zurück wagen und einiger Finesse Songs geschrieben haben, die im Hier und Jetzt genauso funktionieren wie sie es vor 50 Jahren im Tanzschuppen getan hätten.

Album-VÖ: 11.09.2020