(Wonderful & Strange Records/ Stickman Records)

Aus Trondheim/Norwegen stammend, schicken sich KINGS OF THE VALLEY mit ihrem gleichnamigen Debütalbum an, die Welt des psychedelisch-progressiven Retrorock um eine Nuance zu erweitern.

Wer Platten von Yes, King Crimson oder Rush im Schrank stehen hat, darf sich auf ein Hörerlebnis freuen, denn das skandinavische Quartett versteht es 70s-Prog-Rock mit leichten Stoner-Einschüben zu verbinden. Der klare und leichtfüßige Gesang, der die teils ausufernenden Nummern zusammenhält, hat eine hohe Affinität zu poppigen Strukturen, was da Ganze sehr zugänglich macht. Einfach ist die Musik von KINGS OF THE VALLEY trotzdem nicht.

Vor allem der Einsteiger 'At The Gate' hat einen sympathischen Stoner-Rock-Vibe, der zudem recht bluesig im The Black Keys-Fahrwasser wildert. Mit dem nachfolgenden 'The Golden Shore' wird zum ersten (aber nicht zum letzten) Mal die 10-Minuten-Schallmauer durchbrochen. Der Song entwickelt sich entsprechend langsam, aber unaufhaltsam. Schöne 70s-Vibes, die dem Einsatz der Orgel geschuldet sind und in einigen Sequenzen sogar an The Doors erinnert. KINGS OF THE VALLEY kriegen es hin, dass der Song über die gesamte Laufzeit spannend bleibt - obwohl im Mittelteil fast zwei Minuten fast gar nichts passiert. Das macht das Einsetzen der Rhythmen aber umso gänsehauterzeugender. Das Album ist für Hippies genauso geeignet wie für Musik-Connoisseure. Ob nun eine Tüte Cannabis oder die perfekte Bose-Anlage das Mittel zum Zweck ist, um die Kreativität der Norweger geniessen zu können - egal. Hauptsache, man lässt sich in die Musik fallen, denn dann hat man das gewünschte "Erlebnis". Wer sich mit der gitarrenlastigen Musik von vor über vier Dekaden auskennt, wird natürlich nicht viele innovative Elemente erkennen, aber so gut muss man das erstmal umsetzen, wie es KOTV schaffen.

Manchmal sind die Spannungsbögen sehr niedrig, das kann auf den ungeübten Hörer sehr einschläfernd wirken - Tracks wie 'Not Alone' (über zwölf Minuten) oder 'Peace' sind deswegen aber keineswegs schlecht oder überflüssig, aber halt nur für einen bestimmten Personenkreis zu empfehlen. Das schwungvollste Lied ist auch gleichzeitig die erste Single-Auskopplung namens 'Living By Default'.

5 Songs = 39 Minuten Musik. Eine Band, die nahe an songwriterischer Brillianz ist, dieses aber nur einem ausgewählten Kreis von Hörern wird näher bringen können. KINGS OF THE VALLEY haben mehr Aufmerksamkeit verdient. Das Album ist der perfekte Soundtrack, um angemessen entschleunigen zu können.

Album-VÖ: 18.09.2020