(Big Scary Monsters/The Orchard)

JAMIE LENMAN beendet mit "King Of Clubs" eine irre Albumtrilogie die nun aus dem unglaublich kreativen "Devolver", einer wahnsinnigen Coverplatte ("Shuffle") und letztendlich aus diesem Mini-Album besteht.

Die schier unbändige Kreativität von LENMAN wurde von meiner Seite bereits mehrfach thematisiert:

JAMIE LENMAN – Devolver

JAMIE LENMAN – Shuffle

Nun steht der Abschluss dieser Phase bevor, in der sich LENMAN auf seine Songwriter-Wurzeln zurückbesann. Im Gegensatz zu seinem 2013er Doppelalbum Debüt wurden Trash-Elemente vollkommen aus der Produktion verbannt und elektronische Spielereien erhielten Einzug. Auf "Kings Of Club" steht zwar auch der experimentelle Songwriter im Vordergrund, in puncto Härte wurde eine Schippe draufgelegt. Der Opener 'Summer Of Discontent (The Future Is Dead)' erinnert mit seinem Feature-Rapper Illaman eindeutig an Rage Against The Machine. 'Sleep Mission' leiert sich etwas durch einen zum Schluss immer stärker flirrendem Sound, während sich LENMAN gesanglich an der Grenze zum Scream/Shout-Genre bewegt. Und mit 'Like Me Better' hat man ganz unauffällig an dritter Position einen richtigen Hit platziert:

'Like Me Better' schaffte es in dem Moment auf das Album, in dem ich mich entschied, etwas tiefgründigeres als eine EP zu machen. Ich musste mich meinen Instinkten widersetzen und der Stärke des Songs vertrauen, um ihn nicht komplexer und wirrer zu machen, als er sein musste. Drei Akkorde und ein langsamer Beat, das ist alles. Am Ende habe ich trotzdem noch ein großes Riff eingefügt - einfach, weil ich große Riffs liebe. Ansonsten ist es aber eine einfache Melodie, die genau das richtige für den Song ist", äußert sich LENMAN zum Song.

„Textlich geht es um Dinge, die dich zunächst abstoßen, du sie aber im Nachhinein zu schätzen weißt. Spezielles Essen, Musik oder alles, was eine starke Reaktion in einem hervorruft, könnten Beispiele dafür sein. In diesem Fall geht es aber definitiv um Menschen und ihre gegenseitige körperliche Anziehung. Wenn Menschen davon erzählen, einen heimlichen Crush zu haben, geht es meistens um eine Person, die vielleicht ein bisschen seltsam wirkt, aber dennoch ein gewisses Etwas an sich hat. Die ganze Platte handelt von komplexen, widersprüchlichen und möglicherweise unangenehmen Gefühlen, also passt der Song genau da rein."

'I Dont't Wanna Be Your Friend' setzt anschließend ungeahnte Energie-Level bei seinem Sänger frei, wie man sich auch anhand des Clips zu dem Track überzeugen kann:

'The Road To Right', 'Kill Me' und der abschließende Titeltrack sind im Vergleich auch keinen Deut schlechter als der verheißungsvolle Auftakt dieses Mini-Albums, welches glücklicherweise auf jeden Füller verzichtet. Manchmal ist weniger eben doch mehr und davon könnten sich einige Songwriter-Kollegen von LENMAN etwas abgucken. Ebenso wie von der Bonus-Leistung für Käufer des Tonträgers: Jedes physische Exemplar des Mini-Albums enthält exklusive Akustikversionen jedes darauf enthaltenen Songs. Dazu sagt JAMIE LENMAN: „Ich hatte gehofft, die Platte auf einer 10-Inch veröffentlichen zu können, was aber aus verschiedenen Gründen nicht möglich war. Da die ganze Platte aber auf eine Seite einer 12-Inch passt, war ich zunächst etwas ratlos was die B-Seite betrifft. Im vergangenen Januar hatte ich dann einen sehr ruhigen Monat, in dem meine Frau wochenlang krank im Bett verbracht hat, sodass ich viel Zeit für mich hatte und nur wenige soziale Kontakte pflegte. Ich fing an, in meinem Heimstudio an diesen Akustikversionen zu arbeiten. Zunächst sollten sie nur sehr zurückhaltend sein, fand mich dann aber schnell wieder, wie ich Posaune und Trompete einspielte oder auf Töpfen und Pfannen trommelte. Am Ende hatte ich noch viel experimentellere Versionen als die ursprünglichen Tracks! Die Akustikversionen sind aber definitiv kein Teil des Albums und sind nicht dazu gedacht, sie in einem Durchlauf mit den anderen Songs anzuhören.

Das ist kein zweiter Teil von Muscle Memory, sondern einfach nur ein kleines Schmankerl für alle, die sich das Album physisch kaufen möchten. Sie sollen ein bisschen mehr für ihr Geld bekommen. Ein Produkt der versehentlichen Isolation kurz bevor wir uns dort befanden, wo wir heute sind.“

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Kill Me'

Album-VÖ: 25.09.2020