(Century Media)

Mit KING MOTHERSHIP möchte Periphery-Mastermind Spencer Sotelo seine Ideen abseits von progressiven Metal-Eskapaden präsentieren und hat sich dazu seinen Bandkollegen Matt Halpern geschnappt und mit Tai Wright (Ex-Slaves) einen versierten Bassisten an Bord geholt. "The Ritual" ist das lang erwartete Debütalbum, nachdem die Ideen und das Vorhaben seit mindestens acht Jahren gären.

'Home' eröffnet die Platte sphärisch-instrumental und Soundtrack-like. Die große Geste wird hier schon angedeutet und bricht sich mit 'Cosmic Meltdown' sogleich Bann. Die Drums sind sehr klinisch-kühl abgemischt, dafür kann der Song mit einer unglaublichen Hingabe punkten und mit dem Cleangesang von Mr. Sotelo Melodien erschaffen, die durchaus im Ohr hängenbleiben. Die stimmliche Nähe zu Gerard Way (My Chemical Romance) lässt einen Vergleich zu MCR unweigerlich zu, wobei KING MOTHERSHIP etwas vertrackter und spannender rüberkommen. Der nachfolgende Track 'Gold' ist noch 'ne Ecke poppiger und groovt sich locker-flockig an aktuelle Fall Out Boy/ Panic At The Disco-Machwerke heran. Das Ganze ist tanzbar und sehr positiv aufgeladen, aber hat durch die Mainstream-Anbiederung etwas an Sympathie eingebüßt.

Pulsierend-progressiv mit einem Hauch Pop überrascht dann 'Only You', dem man als Hörer Zugang gewähren muss, weil der Song nicht einfach funktioniert, sondern bewusst gehört werden will. Beim ersten (oberflächlichen) Hören, hat mich der Track massiv genervt - das hat sich aber nach mehrmaliger Beschäftigung geändert, v.a. weil das stimmliche Volumen und der Einsatz verschiedender Techniken so viel Elan ausstrahlte, dass man zwangsläufig das Können von Spencer Sotelo respektvoll anerkennt.

'Babby' ist fast schon normaler Mainstream-Rock, der aber mit großartigen Ideen punktet. Vielleicht der eingängigste Song auf "The Ritual", weil er so einen angenehmes Stadion-Rock-Feeling vermittelt. 'Goodnight My Darling' wiederum ein launiges Schlaflied im The Housemartins-Stil. Der Titeltrack ist komplett durchgeknallt - beginnend als Jahrmarktmusik, um ab Minute zwei elektronische Drum 'n Bass-Elemente einzubauen, dann gesanglich zwischen Pop-Punk und Metalcore zu agieren, um den Song technoid zu beenden. Abgefahrenheit hat einen neuen Namen: 'The Ritual'. Das Song-Duo 'Ego 101' und 'The Devil's Train' im Anschluss können natürlich nicht dagegen anstinken und begnügen sich mit normaler Standardware aus dem Alternative-Rock-Bereich - keineswegs schlecht oder langweilig, sie haben aber nicht diese berauschende Wirkung wie 'The Ritual'. Als Einzelerlebnis sind diese Songs aber trotzdem überdurchschnittlich gut und veredeln jede Playlist.

Das pluckernde Instrumental 'Imminent Distortion' leitet dann zum Herzstück und gleichzeitigen Ende der Platte über. 'I Stand Alone' ist ein machtvolles, achtminütiges Ereignis von dem ihr euch mithilfe des angehängten Videos ein eigenes Bild machen könnt. Der Wahnsinn ist jedenfalls Programm und Bands wie ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead oder Kvelertak sind nicht die Einzigen, die verschiedene Stile wild durcheinanderwerfen können, um etwas Erhabenes und Aufregendes zu erschaffen.

KING MOTHERSHIP ist mehr als nur eine Fingerübung oder ein Projekt von Periphery-Sänger Spencer Sotelo. Hier steckt mindestens eine Tonne Herzblut drin. "The Ritual" ist meilenweit entfernt davon, beliebig zu sein. Sonderbar schön eher, aber auf eine gute Art und Weise. Spannende Musik für Menschen, die Bock haben einzutauchen und alle Facetten einer Platte kennenzulernen.

Album-VÖ: 02.10.2020