(Vertigo Berlin/Universal Music)

SALTATIO MORTIS haben sich in den letzten Jahren sicherlich mit zu der Speerspitze in Sachen Mittelalterrockmusik entwickelt. Die letzten drei Alben erreichten alle Platz Eins der deutschen Album Charts. Dabei ist Mittelalter vielleicht gar nicht mehr der richtige Begriff, den mit dem 2015er Album "Zirkus Zeitgeist" wurde man deutlich rockiger und punkiger und fuhr die Mittelalterelemente deutlich zurück. Vor zwei Jahren ging man diesen Weg dann konsequent weiter und "Brot und Spiele" setzte dabei noch weniger auf Metaphern und viel mehr auf klare Worte, was die Botschaften der Lieder anging. Und da wäre es doch jetzt sehr verwunderlich wenn die neue Scheibe "Für Immer Frei" etwas großartig anders machen würde, oder? Also gleich so viel vorweg, wer die Jungs wegen dem Themenbezug zum Mittelalter liebt und immer noch Hoffnung auf eine Kehrtwende hat, dieses Album wird wahrscheinlich wieder nichts für euch sein. Der ganze Rest darf jetzt gerne weiterlesen.

'Ein Traum von Freiheit' ist ein instrumentales Intro, welches von klassischen Instrumenten geprägt ist und ohne Pause in 'Bring Mich Zurück' übergeht. Und heidewitzka ist das ein Beginn für ein Album! Es handelt sich hierbei um ein treibendes Stück Deutschrock, welches mit Dudelsackklängen angereichert ist. Ein Ohrwurm der besonderen Art, welchen ich alleine schon fünf mal hören musste, bevor ich das Album überhaupt weiterhören konnte. 'Loki' kommt da etwas klassischer daher, findet der Text ja auch seinen Ursprung in der nordischen Mythologie. Dabei bietet es auch einen gewissen Grad an Härte und setzt die Dudelsäcke etwas öfter in den Fokus. Mit diesem Lied wurde "Für Immer Frei" vor ein paar Monaten angekündigt und es bildet wirklich einen guten Spagat zwischen der neuen und alten Seite von SALTATIO MORTIS. Mit 'Linien im Sand' gibt es dann ein klares Statement dazu wie sinnlos Kriege sind und das Landesgrenzen ja eigentlich nur eine imaginäre Sache sind. Das Teil prescht unheimlich schnell nach vorne und Sänger Alea schreit uns den Text wirklich sehr emotional entgegen. Ein starker Text, eine einprägsame Melodie, bisher befinden wir uns auf einem enorm hohen Niveau.

Bereits auf dem letzten Album gab es mit 'Große Träume' ein Lied welches sehr stark von Den Toten Hosen inspiriert zu sein schien. Auf "Für Immer Frei" nimmt nun 'Für Immer Jung' diesen Platz ein. Ein Text mit dem sich sicher fast jeder irgendwann mal identifizieren kann und ein Soundgerüst welches einfach extrem an die Düsseldorfer Jungs erinnert. Für mich eine typische Radionummer mit der man effektiv versuchen kann seine Fanzahl noch einmal zu steigern. Lässt sich super mitgröhlen und geht schnell ins Ohr. Auch wenn Vergleiche mit anderen Bands ja manchmal blöd sind, bei 'Palmen aus Stahl' bietet es sich schon wieder an. Denn der ungewohnt tiefe Gesang, die deutlich härteren (und metallischsten Riffs der Band übehaupt) hier erinnert einfach alles an Five Finger Death Punch. Für SALTATIO MORTIS ein sehr ungewohnter Sound und das sorgt dafür, dass es so schnell nicht langweilig wird. Dazu wieder ein starker Text, welcher sich mit der Umweltverschmutzung und der Klimaerwärmung auseinandersetzt.

Bei 'Löwenherz' beschäftigt man sich dann eher wieder mit der Vergangenheit, indem man Richard Löwenherz ein musikalisches Denkmal setzt. Und schon wider kommt so ein übler Ohrwurm dabei heraus, dass man sich fragen muss, ob hier wirklich noch alles mit rechten Dingen zugeht. Die Hitdichte auf "Für Immer Frei" ist wirklich sehr hoch, vor allem auch da das Tempo der Scheibe insgesamt beeindruckend ist. Für 'Mittelfinger Richtung Zukunft' konnte man sich mit Henning Wehland von den H-Blockx und Swiss gleich zwei Gäste mit an Bord holen. Zum Glück schrecken SALTATIO MORTIS anscheinend kein Stück vor Experimenten zurück, denn hier kriegt man eine astreine Punk-Rap Nummer serviert. Das mag vielen "Puristen" vielleicht nicht gefallen, aber der Song ist einfach bärenstark! Super druckvoll produziert, die zwei Gäste toll mit eingebunden und der Text typisch Punk und ehrlich. Ein eindeutiges Produkt unserer Zeit, welches schon jetzt ein hohes Kultpotential in sich birgt. Ganz, ganz großes Kino!

Nach so vielen Powersongs muss man auch mal eine Nummer runter schalten dürfen und deswegen ist 'Rose im Winter' eine Ballade. Für mich persönlich waren die ruhigeren Lieder der Band nie die große Stärke und so finde ich auch diesen Beitrag zwar sehr gut hörbar, aber auch er kann nicht die großen Gefühle bei mir auslösen.Ha! Die Mittelalterfraktion wird doch nicht komplett im Stich gelassen, denn 'Factus de Materia' ist ein klassisches Stück Musik. Der Text ist lateinisch und man bedient sich nur an Instrumenten aus dem Mittelalter. Also ein typisches Lied für die Anfangszeit von SALTATIO MORTIS welches beweist das die Jungs auch trotz des aktuellen Wandels noch sehr viel Lust auf solche Musik haben und sobald es wieder möglich ist, werden auch solche Lieder wieder auf den Bühnen der Mittelaltermärkte zu hören sein, welche die Jungs sicherlich nicht vernachlässigen werden.

'Seitdem Du Weg Bist' startet wirklich wunderschön mit Klängen einer Akustikgitarrre und kommt locker und leicht daher. Dabei ist der Text auch sehr verspielt und wartet mit Popkulturanspielungen auf. Im Endeffekt ist das angesprochene Thema dann aber wirklich ernst und wahrscheinlich auch düster. Ein toller Kontrast und musikalisch eine gelungene Abwechslung. Für die Botschaft von 'Keiner von Millionen' muss man ohne Frage aber wieder laut werden. Es kommt dabei quasi einer Kampfansage gleich und fühlt sich wie ein richtiger Arschtritt an. Wie schon bei mindestens der Hälfte der Lieder, bedient man sich auch hier wieder bei "Ohohoh-Chören" einer zugegebenermaßen recht einfachen Methode um Lieder eingängig werden zu lassen, aber es klappt auf "Für Immer Frei" auch irgendwie zu gut.

'Neustart für den Sommer' ist in der aktuellen Krise entstanden und widmet sich dem vergangenen Sommer, welcher ja leider sehr unterfeiert dahergekommen ist. Definitiv eine der schöneren Sachen die aus dieser Situation heraus entstanden sind. Es handelt sich um ein recht einfach gestricktes Stück Musik, welches einfach nur schnell für gute Laune sorgen soll und das funktioniert auch außerordentlich gut. MIt 'Geboren um Frei zu Sein" geht die Reise dann auch schon zu Ende und es handelt sich um eine starke Hymne, welche einen ausgepowert und mit positiven Gedanken zurück in den Alltag entlässt.

Tja was soll man da noch groß sagen? "Für Immer Frei" ist ein verdammt starkes Album, mit einer enormen Hitdichte. In meinen Augen greift man zwar ein bisschen zu oft auf die erwähnten "Ohohoh-Chöre" zurück, aber dafür erhällt man dann ein recht abwechslungsreiches, schnelles und ehrliches Deutschrock-Album. Von all den bisherigen Alben dürfte es sich hier um das mit den höchsten Dauerbrenner-Qualitäten handeln. Und wenn ich daran denke all diese Lieder irgendwann live abfeiern zu dürfen, kriege ich schon jetzt eine wohlige Gänsehaut. Das vierte Nummer Eins Album in Folge steht hier quasi in den Startlöchern und sollte es so kommen, es wäre verdient.

Anspieltipps: 'Bring Mich Zurück', 'Mittelfinger Richtung Zukunft', 'Seitdem Du Weg Bist'

Album-VÖ: 9.10.2020