(Through Love Records/Indigo)

Mit ihrem neuen Album “Eremit” sorgen die Instrumental-Musiker von NEÀNDER für Doppeldeutigkeiten. Zum einen steht die Wortbedeutung für einen allein und zurückgezogen lebenden Menschen, was in seiner knappen Erklärung auch zu dem wunderschön komponierten Cover passt. Zum anderen bezeichnet “Eremit” auch einen Käfer aus der Unterfamilie der Rosenkäfer. Und da NEÀNDER ihre Songtitel stets nach Käfern benennen, liegt natürlich auch diese Erklärung nahe. Interpretationsspielräume die bei den Postrockern schon immer bewusst offengelassen wurden.

Es ist noch gar nicht so viel Wasser durch die Weser geflossen, seitdem NEÀNDER letztes Jahr mit ihrem selbstbetitelten Debüt-Album auf der Bildfläche des instrumentalen Postrocks aufgetaucht sind. Nun steht bereits der Nachfolger in den Startlöchern, für welchen man sich deutlich weniger Zeit in der Produktion und Komposition genommen hat. Ein Nachteil lässt sich daraus nicht ausmachen, denn der Sound auf “Eremit” klingt gewohnt düster, aber auch gleichzeitig etwas fokussierter und in sich geschlossener. Eingeleitet wird mit einem unheilvollen ‘Prelude’, welches wie eine sich aufbauende Drohung daherkommt. Der Track schwellt so lange an, bis sich mit ‘Purpur’ die Spannung entlädt. Ein acht minütiger Soundtrip, der dank Tripple-Gitarren Sound so manch eine Song-Facette zunächst unbemerkt im Hintergrund hält. Doch mit jedem Hördurchgang wächst “Eremit” und das ohne dabei an Spannung einzubüßen. Sei es der etwas getragen wirkende Titeltrack oder das sich sehr langsam aufbauende, aber dafür schnell entladende ‘Ora’. Auffällig wirkt das ruhige ‘Clivina’ aufgrund seines sehr konträren Sounds (lediglich eine E-Gitarre im Akkustikmodus) im Vergleich zu den anderen Stücken des Albums. Als den Keytrack lässt sich aber sicher ‘ATLAS’ ausmachen, welcher nicht nur aufgrund seiner beeindruckenden Spielzeit von über 11 Minuten herausragt:

"ATLAS ist der Closing-Track unseres Albums - Mit all seinen Höhen und Tiefen, Rhythmen und Akkordwechseln, Breaks und Stimmungsänderungen ist er vielleicht das Abwechslungsreichste, was wir bisher gemacht haben" sagt Gitarrist Jan Korbach, der u.a. auch als Livegitarrist für CASPER auf Tour ist. "Ich mag es total, dass der Song am Ende des Albums steht und damit einen Ausblick gibt, wohin die Reise für uns geht. Und mit dieser monumentalen Laufzeit ist er wirklich ein Marathon und kein Sprint."

Der Song für die Playlist/das Mixtape: ‘ATLAS’

Album-VÖ: 08.10.2020