(Sony Music)

Mit "Post Human: Survival Horror" liegt nun die neue EP von BRING ME THE HORIZON vor, welches ja nur den ersten Teil der, auf vier Platten ausgelegten, Post Human Serie darstellen soll. Die als Deathcore Band gestarteten Jungs aus Sheffield, haben sich ja schon in der Vergangenheit immer mehr einem zugänglicheren Sound zugewandt und das letztjährige Album "Amo" war dann sogar richtig soft und konnte bei vielen Fans nicht so ganz durchstarten. Mir persönlich gefiel es aber auch richtig gut, war es doch einfach mal ein anderer Ansatz. Nun bietet diese EP neun Tracks wovon vier allerdings schon vorab veröffentlicht worden sind und einer eigentlich nur ein Intro ist. Das heißt eigentlich kriegen Fans mit dem Release der Platte nur drei neue vollwertige Lieder. Und doch kommt man auf eine Laufzeit von gut 32 Minuten, was mehr als ordentlich für eine EP ist. Da gibt es ehrlicherweise sogar viele Alben die sich genau in der Länge bewegen. Also mal rein in das Vergnügen.

Mit 'Dear Diary' geht es dann los und was soll ich sagen? Nach 45 Sekunden musste ich erstmal eine Pause machen und meine Gänsehaut sacken lassen. WOW! So hart waren BRING ME THE HORIZON seit vielen Jahren nicht mehr. Fette Riffs, ein kleines Gitarrensolo und Oli mal wieder richtig am Shouten. Besser kann man die EP nicht starten, die ganzen Härten die man auf "Amo" vermisst hat, finden sich hier wieder und sollte die Fanschar vor Freude erstrahlen lassen. Der Beginn von 'Parasite Eve' erinnert sehr stark an den Soundtrack des Films Ghost in the Shell und auch das Video war ja sehr von japanischen Animes inspiriert. Das Lied baut eine wirklich intensive Stimmung auf, ist dabei nicht ganz so agressiv, aber doch sehr rockig und hat seine Hitqualitäten ja bereits schon seit der Veröffentlichung im Juni bewiesen. Das besungene Thema ist dabei leider auch heute noch brandaktuell.

'Teardrops' bezeichnet die Band selber als einen ihrer bisher stärksten Songs und ich kann und will da auch gar nicht widersprechen. Mit einem dicken Nu Metal Vibe der 2000er Jahre erkennt man deutlich das Linkin Park schon seit Beginn eine große Inspiration für die Band sind. Vielleicht haben BRING ME THE HORIZON ja die Qualität irgendwann einen ähnlich großen Platz in der Rockmusik einzunehmen, 'Teardrops' hat auf jeden Fall enorme Hitqualitäten. Bei 'Obey' gibt es den ersten von vier Gastauftritten auf "Post Human: Survival Horror" und zwar hat man sich den jungen englischen Senkrechtstarter Yungblud mit ins Boot geholt. Das Niveau sinkt einfach nicht und so ist auch dieses Stück einfach nur genial. Es geht super ins Ohr, rockt gut und die beiden Stimmen ergänzen sich sehr gut.

'Itch For The Cure (When Will We Be Free?)' ist eigentlich nur ein knapp eineinhalb minütiges Intro für 'Kingslayer' für das man ein Feature mit der japanischen Sensationsband Babymetal vorbereitet hat. Die Einflüsse der Gastband gehen dabei weit über den teils japanischen Gastgesang hinaus. Die ganzen elektronischen Beats sind nämlich typisch für eben diese Band und so entsteht ein Babymetal Soundkonstrukt inklusive sehr metalischen Gitarrenriffs und Drumbeats. Passend dazu zeigt auch Oli sich wieder von seiner harten Seite. Was ein Monster von einem Song! Die Nova Twins sind dann auch direkt bei '1x1' mit von der Partie, der Song geht am ehesten in die Alternative Rock Richtung und kann sich auch wirklich hören lassen, schafft es in meinen Augen aber nicht auf dem exorbitant hohen Niveau der restlichen Lieder zu bleiben.

'Ludens' ist quasi der älteste Track der EP und er hängt auch am nähsten noch an dem Stil des "Amo" Albums. Nicht ganz so schnell, nicht ganz so hart, dafür knallt es hinten raus gewaltig. Da das Lied schon 2019 für das Spiel Death Stranding veröffentlich worden ist, zeigt es nun im Nachhinein das es quasi den Grundstein für den Stil von "Post Human: Survival Horror" gelegt hat. Das BRING ME THE HORIZON Balladen beherrschen haben sie schon des öfteren gezeigt. Für (kurz Luft holen) 'One Day The Only Butterflies Left Will Be In Your Chest As You March Towards Your Death' ist nun Amy Lee von Evanescence mit dabei und OH MEIN GOTT was für ein Gänsehautsong! Zuerst hauptsächlich von Amy Lees Stimme getragen ist es ein extrem ruhiges, düsteres und emotionales Lied. Nach anderthalb Minuten ist dann Oli zu hören und die Gänsehaut wird einfach um so vieles größer und erreicht ihren Höhepunkt wenn beide im Duett zu hören sind. Ganz nach dem Motto der EP endet es dann mit bedrohlichen Horrorklängen und gibt dem Stück damit einen noch bitteren Nachgeschmack mit auf den Weg.

Wow, einfach nur wow. "Post Human: Survival Horror" ist für mich ein Monster von einer Scheibe. Die Band meinte ja in der jetzigen Zeit brauchen die Menschen keine ruhige Popmusik, sondern agressive Musik mit Botschaft und genau das wird hier auch abgeliefert. Für mich handelt es sich bei dieser EP um die beste und härteste Veröffentlichung der Jungs seit "Sempiternal" und ist ein ganz großer Favorit auf die Top 3 in meinen Jahrescharts.

Anspieltipps: 'Dear Diary', 'Teardrops'

Album-VÖ: 30.10.2020