(Eigenvertrieb)

Seit Gründung vor drei Jahren haben BREW BERRYMORE schon das ein oder andere Lächeln in das Gesicht eines Zuhörers provoziert, da sie durchaus witzig und selbstironisch sind, aber niemals vergessen das Objekt der Begierde ernst zu nehmen - den Song! Mit ihrem neuen Album "Have A Beer In Stratosphere" zeigt der Fünfer aus Regensburg, was ihre Definition von "Future Rock" ist.

Liest man den Bandnamen und schaut sich das Albumcover an, erwartet man als unbedarfter Hörer Fun-Punk im Fat Wreck-Style. Umso größer ist die Überraschung, dass die zehn präsentierten Songs eine Ernsthaftigkeit vor sich hertragen, die BREW BERRYMORE durchaus zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen könnte. Punkrock kann ja jeder, aber Musik kreieren, die das Genre Rock auf seinen Fahnen stehen hat und dieses so kreativ gestaltet, dass man Elemente aus Brit-Pop, Soul und einem großen Fundus Independent wiedererkennt, ist beileibe respektabel. Wenn das Songwriting dann auch noch mutig, fokussiert und gleichzeitig eingängig daherkommt, ist der Drops im besten Sinne gelutscht.

'Shake It Up' überrascht mit britischen Understatement, der sich toller Melodie und eindringlichen Refrain Bann bricht und die Hüften zum Schwingen bringt. Der Einsatz von Keyboards ist zielführend und sorgt dafür, dass der Song im Ohr hängenbleibt. Irgendwo zwischen New Wave und Brit-Rock der 2000er-Jahre. BREW BERRYMORE könnten es sich einfach machen und Tanzbodenfüller aus dem Ärmel schütteln (was sie übrigens auch machen), allerdings haben sie den eigenen Anspruch abgefahrene Ideen in ihren Kompositionen zu verbauen, die den Song interessant und v.a. spannend gestalten. Hört man Tracks wie 'Keep It In Your Mind', 'Love Is A Powerful Word' oder 'Heart Shaped Socks' erstmalig an, wird man förmlich erschlagen von den eingesetzten Elementen und Stilen - hier mal Rückkopplungen a la Sonic Youth, dann ein vehementer Elektrobeat, der schlussendlich eine ordentliche Gitarrenwand aufbaut. Dabei immer die ungewöhnlichen Töne des gern genutzten Synthesizers. Beim wiederholten Anhören entfalten sich immer mehr Nuancen, die die Songs auf ein Level hieven, welches weitab von "ganz okay" einzuordnen ist.

BREW BERRYMORE haben sich einiges einfallen lassen für ihre neue Platte - finden aber immer genau den richtigen Weg, um den geneigten Fan nicht zu überfordern, sondern mitzunehmen auf eine Reise, die teils überbordend ist und dennoch stringent genug, um für die notwendige Aufmerksamkeit zu sorgen.

Wer sich von der präsentierten Selbstironie von BREW BERRYMORE nicht abschrecken lässt (sei es der Bandname, der Platten- oder einzelne Songtitel wie 'Horny XX99'), kann großartige Songs entdecken, die nachhallen und einen internationalen Standard inne haben, der beeindruckt. "Have A Beer In Stratosphere" ist ein überraschendes Indie-Rock-Werk, welches sehr gefällt.

Album-VÖ: 30.10.2020