(Search And Destroy Records / Spinefarm Records)

Drittes Album = Neustart bei BLACK FOXXES? Die Band aus Exeter, England hat es die vergangenen Monate extrem schwer gehabt. Erst sind im März diesen Jahres zwei Mitglieder (bei einem Trio schon bemerkenswert) ausgestiegen, dann kam Corona. Zum Glück konnte Sänger, Gitarrist und Songschreiber Mark Holley zwei neue Menschen für den Job der Drums und des Basses gewinnen.

Vermutlich wurde deshalb das Album selbstbetitelt, um die neue Identität als Band zu stärken. Sei's drum - BLACK FOXXES haben seit ihrem Debüt "I'm Not Well" und dem leider etwas untergegangenen Nachfolger "Reiði" ihre Position im Indie-Rock-Genre klar gemacht und konnten bereits mit einigen Liedern ordentlich Alarm machen.

18 Monate Schreibprozess hat Mr. Holley investiert, um das Album möglich zu machen. Er hat all seine Power, Kreativität und Kraft aufgewandt und neun Songs geschrieben, die weitab vom gängigen Mainstream einzuordnen sind. Was z.B. beim Einstiegssong 'I Am' passiert ist pure Energie - der langsame Aufbau explodiert förmlich im letzten Drittel des Liedes und erinnert an die wütenden Nirvana. Krach par excellence. 'Badlands' reisst dann erstmals die 8-Minuten-Latte und mäandert grandios durch die Komposition. Wenn der Chorus erreicht wird, ist die entwaffnende Vehemenz früher At The Drive-In zu spüren, was über die gesamte Laufzeit aufrechterhalten wird. Aufgrund der konsequenten Beibehaltung des Beats entsteht ein Sog, dem man sich schwer entziehen kann. 'Drug Holiday' zeigt wiederum den zerbrechlichen Mark Holley, der immer kurz vor'm Ausbruch steht, aber sich zwingt zurückzuhalten. Hier ist die Spannung fast greifbar.

BLACK FOXXES machen es dem Zuhörer nicht einfach, weil leichte New Wave-Einschübe wie bei 'My Skin Is' durch dissonante Töne konterkariert werden und den Zugang nur über Umwege und/oder Geduld zulassen. 'Panic' ist ein wunderschön durchkomponiertes Stück, welches man als Easy-Listening-Indie-Folk bezeichnen könnte. Aber warum immer Schubladendenken, wenn die Band selbst versucht aus Kategorien auszubrechen? Gebt Euch 'Swim' hin und entdeckt wunderschöne Melodien, die in Nuancen versteckt sind. Tanzbaren Indie-Rock können BLACK FOXXES auch - 'Jungle Skies' verführt geradezu mit geschlossenen Augen über die Tanzfläche zu schweben, mit sich und der Welt im Reinen zu sein und den Augenblick festhalten. 'The Diving Bell' beschliesst das Album eingängig, aber keineswegs gewöhnlich. Der längste Track hat auch die schönste Melodie, deswegen umso toller, dass man sich erst nach über neuneinhalb Minuten verabschieden muss.

BLACK FOXXES haben mit ihrem selbstbetitelten Album sicherlich keine Ambitionen den Mainstream aufzumischen, sondern wollten für sich und ihre Fans das Besondere hervorlocken. Man darf feststellen, dass das dem Trio super gelungen ist. Gebt der Platte 3-4 Durchläufe und ihr werdet die Schönheit dahinter entdecken.

Album-VÖ: 30.10.2020