(Century Media)

Nachdem bereits im September Eskimo Callboy, die Ex-Band von GHØSTKID Mastermind Sebastian "Sushi" Biesler, ihre erste Scheibe seit der Trennung veröffentlicht haben, ist es nun soweit. Mit der nach dem Bandnamen betitelte Debütscheibe "Ghøstkid" steht nun das erste Album, seines neuen Projekts in den Startlöchern. Ähnlich wie Eskimo Callboy, hat auch GHØSTKID sich dafür Mitglieder der aufgelösten Band To The Rats and Wolves ins Boot geholt. Es steckt also durchaus viel Erfahrung in diesem Projekt und so kann man nur gespannt sein, wie sich die erste LP denn nun so anhört.

Habe ich der letzten Eskimo Callboy CD mit Sebastian Biesler als Sänger schon gewisse Ähnlichkeiten zu Bring Me The Horizon zugesprochen, so muss ich das bei seiner neuen Band wohl noch deutlicher machen. Der Opener 'FØØL' erinnert nämlich wirklich sehr, sehr stark an Oli Sykes und seine Mannen und auch beim folgenden 'START A FIGHT' wird man dieses Gefühl nicht los. Durch die bekannte Stimme des Sängers, kommen aber irgendwie auch noch ein bisschen die Eskimo Callboy Vibes durch. Insgesamt wirkt es wie eine konsequente Weiterentwicklung von Sushis erster Band, nur jetzt ohne Atlasten und deutlich befreiter aufspielend. 'SHARKS' kommt bedeutend ruhiger daher, verzichtet komplett auf Screams und Shouts und wird dabei fast schon balladesk. Das ist wirklich gut gesungen, aber für mich persönlich bleibt leider zu wenig hängen.

'DRTY' hätte ich so tatsächlich auch auf einem der letzten beiden Eskimo Callboy erwartet. Es tut mir ja leid, dass ich so oft diesen Vergleich noch ziehe, aber erst durch GHØSTKID, merkt man nun wie hart Sebastian Biesler den letzten Alben seiner vorigen Band, seinen eigenen Stempel aufgedrückt hat. Nun heißt es 'THIS IS NØT HØLLYWØØD' zum Ersten und zwar mit Gastgesang von Timi Hendrix. Das Lied ist recht langsam, düster und hat seinen ganz eigenen Stil, welcher wirklich nur schwer zu beschreiben ist. Auch 'YØU & I' hat einen hohen Hang zur eher melodischen Seite und wird durch die härteren Einschübe eher aufgelockert.

Für 'SUPERNØVA' holt man sich niemand geringeren als Marcus Bischoff von Heaven Shall Burn ins Boot. Allerdings finde ich seinen Auftritt hier fast ein bisschen verschwendet, denn er kommt fast überhaupt nicht zum Tragen. Und auch insgesamt versumpft mir das Stück ein bisschen zu sehr in seiner Melodie, anstatt mal etwas mehr Dampf abzulassen. Na hoffentlich ist da Mille Petrozza von Kreator besser eingebunden, welcher nun bei 'CRØWN' mitwirken durfte. Und ja, er ist etwas schlauer eingesetzt, aber auch hier lässt das Ergebnis in meinen Augen zu wünschen übrig. Auch ohne Mille würde sich das Teil einfach nicht groß anders anhören. GHØSTKID bleiben großteils ihrem Stil treu, aber irgendwie machen sich schon jetzt erste Ermüdungserscheinungen breit.

Eine reinrassige Ballade gibt es mit 'CØLD WØRLD' und diese hat es in sich. Sehr emotional gesungen und sonst instrumental eher zurückhaltend, hinterlässt sie ein tolles Gefühl beim Hören. 'ZERØ' erinnert mit seinen Synthies zu Beginn wirklich stark an die 80er und auf einmal knallt es aus allen Rohren! Deutlich schneller als die anderen Songs und auch eine ganze Ecke agressiver, braucht es nur wenige Minuten und ich habe meinen absoluten Liebling auf der vorliegenden Scheibe gefunden. Diese Energie fehlte mir tatsächlich bei vielen der anderen Stücke und ich hoffe in Zukunft werden mehr Lieder in diese Richtung gehen. Zum Abschluss folgt zum zweiten Mal 'THIS IS NØT HØLLYWØØD' aber diesmal ist als Gast Johnny 3 Tears dabei. Dadurch ist genau eine Stelle im Lied anders, klar kann man mal machen, hätte man sich in meinen Augen aber auch sparen können.

Das Sebastian Biesler ein guter Musiker ist war mir bewusst und deswegen hatte ich recht hohe Erwartungen an 'Ghøstkid'. Diese wurden aber nur bedingt erfüllt. Das man mit diesem Projekt eher einer düsteren Stil anstrebt konnte man ja erwarten, aber teilweise kommen mir die Lieder wie mit angezogener Handbremse umgesetzt vor. Die Trennung von Eskimo Callboy ist aber das Beste was den Fans passieren konnte, so besinnen diese sich nun wieder mehr auf ihre Anfangszeiten und GHØSTKID entwickelt konsequent den typischen Stil von Sebastian Biesler weiter. Für mich ein gutes Album, aber leider auch nicht mehr. Die Hitdichte ist eher gering und die Parallelen zu Bring Me The Horizon teils wieder sehr deutlich.

Album-VÖ:13.11.2020