(Glitterhouse) 

Für jeden Musiker der etwas auf sich hält, gilt: kein Album zweimal machen. Gerade für Acts, die stark für ihre Kreativität im Fokus stehen, ist dieses Motiv Diktat. So natürlich auch für den DIE NERVEN-Frontmann Max Rieger, der als ALL DIESE GEWALT auch auf Solopfaden unterwegs ist und dieser Tage mit "Andere" sein neustes Album veröffentlicht. 

Warum sich der Entstehungsprozess von "Andere" über vier Jahre hinzog, erklärt Rieger folgendermaßen: „In den ersten zwei Jahren gab es in der Arbeit an ANDERE keinen roten Faden. Ich habe ihn erst auf den letzten Schritten gefunden. Ich bin deutlich konkreter geworden und immer mehr abgeschreckt von verwaschenen Aussagen. Die Vorstellung, man müsse Sprache in Musik poetisieren, finde ich nicht treffend und ich finde es nicht mehr zeitgemäß, sich abzuheben und elitär zu sein“. Nun hat der Künstler den Mut gefasst und seine Songs von der Leine gelassen. Elf Tracks kann "Andere" verzeichnen, doch bei aller Ambition und Talent, irgendwie kickt das Album deutlich weniger als DIE NERVEN oder die ersten Solo-VÖs von Rieger. Vielleicht liegt es an den großen Erwartungen, die man durchaus haben durfte, speziell wenn man sich nochmal den Vorgänger "Welt In Klammern" vor Ohren führt. Aber im Vergleich dazu konnte Rieger eigentlich nur scheitern. An einigen Stellen blitzt aber auch hier das unglaubliche Songwritingtalent auf, welches immer noch in Rieger schlummert. So können die Fans der ersten Alben wohl am ehesten mit den Tracks 'Grenzen' und 'Maske' ihren Frieden finden. Auch die erste Single, 'Erfolgreiche Life', springt einen geradezu an. Das man diesen Song ausgekoppelt hat, erscheint nur wie eine logische Konsequenz:

Am Ende muss man sich dann irgendwie doch die Frage stellen, warum das neue Album nicht so richtig überzeugen kann und irgendwie ist es verdammt schwer darauf eine passende Antwort zu finden. Produktionstechnisch läuft hier eigentlich vieles richtig. Es ist auch ein gewisser Mut zu spüren, der sich in einer leicht geänderten musikalischen Grundausrichtung wiederfindet. Die Gitarre wird zurückgedreht und mehr Elektronik bestimmt den Sound. Eher hell und weniger dunkel als man es gewohnt war. Aber die Zeiten sind ja ohnehin düster genug. 

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Grenzen' 

Album-VÖ: 06.11.2020