(Midsummer Records/Cargo)

Hinter SIX DAYS OF CALM verbirgt sich niemand geringeres als Marc Fischer, seines Zeichens Kopf der Metalcoreband Watch Them Fade. 2018 setzte Watch Them Fade einen Schlussstrich unter ihr Schaffen und somit war der Weg für Fischers Soloprojekt frei. Unterstützung erhielt der Würzburger dabei von Produzent Nikita Kamprad, welcher bereits mit DER WEG EINER FREIHEIT bundesweite Bekanntheit erlangen konnte. Nach den ersten Höreindrücken von "The Ocean´s Lullaby", in jedem Fall eine stimmige Kombination.

Bereits bei den Vös von Watch Them Fade spielten Postrockelemente eine bedeutende Rolle. Die dort bereits angedeuteten instrumentalen Farbtupfer, erstrahlen bei SIX DAYS OF CALM nun in voller Farbenpracht. Sieben Tracks im Breitwandsound zieren "The Ocean's Lullaby". Dabei gibt der Opener 'Breathe' eine eindeutige Marschrichtung vor. Die Stimmung ist der Star und eine emotionale Schwermut ist dabei vom ersten Takt an spürbar. Intensiv und berührend, wie auch das Video beweist, welches Fischer zusammen mit Jan Kerscher und Melanie Schösser in den Ghost City Recordings Studios aufgenommen hat:

Die hier sehr schön eingefangene Stimmung überträgt sich auch auf 'Light', welches verdammt erhaben daherkommt und den Zuhörer immer weiter auf die Folter spannt. Die erwartete Soundexplosion bleibt bis zum Schluss aus und der Track klingt mitsamt seinen stimmungsvollen Synthie-Flächen aus. 'Loss' lässt sich in seiner Exposition noch mehr Zeit und verkörpert das sich aufdrängende „Unterwasser-Bild“ geradezu perfekt. Nach knapp sieben Minuten deutet Fischer erneut leichte Eruptionen an, bleibt der melancholischen Note in seinem Sound aber bis zum Schluss treu. Das zarte 'Reflections' setzt den Contra Punkt zum harten 'Obscure', welches eindeutig heraussticht. Allerdings fragt man sich nun wo Fischer jetzt eigentlich genau hin will. Und auch 'Gloom' liefert keine eindeutige Antwort. Es wirkt als wenn sich der Musiker hier einfach treiben lässt, bevor er mit 'The Final Notes' das Schaffen zum grandiosen Endpunkt führt.

In jedem Fall bildet "The Ocean's Lullaby" ein vorantreibendes gefühlvolles, rundes und verdammt atmosphärisches Album ab. Lediglich musikalisch hätte man sich vielleicht ein facettenreicheres Vorgehen wünschen können, was aber vielleicht auf Kosten der Atmosphäre gegangen wäre. ich wiederhole: Die Stimmung ist der Star.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'The Final Notes'

Album-VÖ: 06.11.2020