(AFM Records/ Soulfood)

Dass sich Ignite in einer künstlerischen Pause befinden, weil Sänger Zoli Teglas die Band verlassen hat, dürfte hinlänglich bekannt sein. Mr. Teglas wollte sich neuen Aufgaben widmen und seine Schauspielkarriere vorantreiben (für eine Mini-Rolle im letzten Terminator-Film hat es immerhin gereicht). So ganz von der Musik konnte er aber offensichtlich nicht lassen, denn mit OCEAN HILLS ist er Vorsteher einer neu formierten Gruppe, die sich musikalisch "etwas" abhebt vom bekannten Schaffen des gebürtigen Ungarn (wozu ja auch die kurzfristige Übernahme des Pennywise-Mikros gehörte).

OCEAN HILLS haben die Schublade Neo-Grunge/Alternative-Rock ganz weit geöffnet und lassen sich liebend gerne reinfallen. Pathos war Zoli noch nie fremd, hier kann er es umfassend ausleben. Mit "Santa Monica" erscheint dieser Tage dann das Debüt, welches 11 Songs beinhaltet. Über die Coverversion von "There Is A Light That Never Goes Out" (The Smiths) möchte ich bewusst den Mantel des Schweigens hüllen - der Song ist der Abschluß der Platte und kann bitte sofort geskippt oder aus Playlsiten entfernt werden. Morrisey & Co. würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie denn schon tot wären.

Wenn man sich das Album-Cover anschaut, kann man bereits erahnen was einen erwartet. Und genau die Erwartung wird komplett erfüllt. Sommerlich-oberflächlicher Alternative-Rock der Marke Nickelback oder Creed, wobei Elemente von Classic-Rock genauso zum Tragen kommen, wie Heavy-Rock-Anleihen, die auch Bands wie Alter Bridge bedienen. Im Grunde also Musik, die niemanden stört, immer mal gerne gehört wird und bisweilen die Stimmung heben kann (was in Zeiten wie diesen ja nicht verkehrt ist). "Der Klaus Meine des Hardcore" steht mit seinem Gesangsstil natürlich im Mittelpunkt der Kompositionen, die das volle Klischee-Brett auffahren, dies aber immerhin mit einer Vehemenz und Glaubwürdigkeit tun, dass der Gedanke an eine Reißbrett-Band schnell vom Tisch ist.

Die große Geste ist fester Bestandteil dieser Platte, was schon der Opener 'Bound' ausreichend beweist. Eine druckvolle Produktion, die das Talent von Zoli Teglas in den Mittelpunkt rückt. Der Song hat einen überschaubar einfachen strukturellen Aufbau, der in einem alles umarmenden Refrain mündet. Innovationspreise werden damit nicht gewonnen, aber wenn man in der richtigen Stimmung ist, kann das schon Spass machen. Klar sind Melodieführung usw. schon 1000x gehört, aber man kann bei diesem Musikstil sowieso nichts Aufregendes mehr erwarten - deswegen ist der mainstreamige Ansatz, der v.a. das nordamerikanische Publikum abholen wird, vollkommen okay, weil man merkt, dass die Band Spass an der Nummer hat. Das überträgt sich im besten Fall auf den Hörer, von daher ist alles gut. Durchschnittlich, aber gut.

Es gibt sogar sowas wie überraschende Ansätze auf "Santa Monica" - so hat der Track 'Like A Lady' einen ordentlichen 80er-Jahre-Vibe und erinnert an Hits von Journey oder ähnlichen Kalibern. Die Schnulze 'Budapest My Love' tut dagegen fast schon körperlich weh. Nicht nur, dass hier der Pathos aus jeder Note tropft, auch gesanglich ist das verdammt anstrengend anzuhören. 'Vampire' und 'Hold Me' sind ähnliche Schmonzetten, die den guten Ansatz von fetten Rock-Songs ('A Seperate Peace' z.B.) massiv schädigt.

Richtig viele Highlights kann ich leider gar nicht benennen - vielleicht wäre es besser gewesen OCEAN HILLS hätten erstmal eine EP mit fokussierten Rocksongs veröffentlicht, anstatt überwiegend Füllersongs zu schreiben. Ein paar lichte Momente helfen dem Album jedenfalls nicht, um eine untere Durchschnittsbewertung zu vermeiden.

Album-VÖ: 27.11.2020