(Eigenvertrieb)

"Swedish Bubblegum Emo" - so bezeichnet das Trio TRIBE FRIDAY ihre Auffassung von Wohlfühl-Indierock. Passt alles, weil man beim Anhören der Songs sofort ein sommerliches Gefühl entwickelt, welches durch melancholische Einsprengsel eine emotionale Tiefe erreicht. Das und noch viel mehr kann also Musik schaffen. Die vorliegende LP ist eine Zusammenfassung der beiden EPs "Chasing Pictures" und "Waiting For A Sign". Die Veröffentlichung als ein Album ist insofern nur logisch, weil die EPs kurz hintereinander in diesem Jahr herausgebracht wurden und sich stilistisch ergänzen - somit funktioniert das Ganze natürlich auch auf Albumlänge.

TRIBE FRIDAY sind eine Band, die schnell auf den Punkt kommt und ihre Ideen zumeist in unter drei Minuten präsentieren. So entsteht eine angenehme Kurzweiligkeit, weil die Songs fokussiert sind und nicht unnötig ausschmücken. Dadurch bleiben Melodien und Refrains eher im Ohr hängen und machen auf lange Sicht mehr Spass als ein künstlerischer Anspruch der ebenso künstlich Lieder in die Länge streckt (Namen prominenter Bands bitte eigenständig eintragen).

Wer sich nach britisch-geprägten Indierock der 00er-Jahre zurücksehnt, wird von TRIBE FRIDAY formidabel bedient. Songs der Marke 'Talk So Loud', 'Loosie', 'Cool Song' oder das melancholische 'Sleepwalk' lassen den Enthusiasmus von Arctic Monkeys, Hard-Fi oder The Kooks aufleben und bescheren dem Zuhörer wundersame Schauer über den Rücken, die die Serontin-Ausschüttung anregt und ein debiles Grinsen ins Gesicht meißelt, so fern man nicht bereits freudestrahlend tanz-hüpfend seine Wohnzimmereinrichtung zerlegt hat. Das macht verdammtnochmal einfach Spass und es tut so gut, völlig losgelöste Kompositionen zu hören, wie es Friska Viljor z.B. schon seit einer Dekade nicht mehr schaffen zu schreiben. Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen - schaut euch das verlinkte Video an - genauso liefern TRIBE FRIDAY knappe 25 Minuten ab. Bereits beim ersten Anhören hat somit einer der besten halben Stunden in diesem Jahr erlebt. Word!

Die Band macht enorm viel DIY und hat ihre beiden EPs sehr liebevoll als Album zusammengefasst - dies ist allerdings nur auf Vinyl erhältlich. Aber supportet die Jungs unbedingt mit bezahlten Streams und geht auf deren Konzerte, so denn es nächstes Jahr wieder hinhaut. Tipp des Monats!

Album-VÖ: 23.10.2020