(This Charming Man Records)

Zweieinhalb Jahre haben uns VAL SINESTRA warten lassen. Nach ihrem furiosen Debüt "Unter Druck", was uns begeistert hat, ob des druckvollen Sounds und Songs, die im deutschsprachigen Raum schon fast ein Alleinstellungsmerkmal generieren konnten. Lest hier gerne nochmal nach:

VAL SINESTRA – Unter Druck

Nun haben es die Berliner endlich geschafft mit "Zerlegung" zu liefern und werfen elf Tracks in den Ring, die sich aus Punkrock, Hardcore und Rock 'n Roll die spannendsten Elemente klauen, um mit Enthusiasmus und handwerklichen Talent (Songwriting) Lieder zusammenzubauen, die im ersten Moment die Faust Richtung Himmel hochjagen lässt und auf den zweiten Blick ordentlich nachwirken (auch textlich). VAL SINESTRA haben es nämlich wieder geschafft, nicht nur mitreissende Songs auf ihre Platte zu packen, sondern haben diese noch dazu so spannend aufgebaut, dass man Lust bekommt alle Facetten von "Zerlegung" freizulegen. Ohne zu sehr zu spoilern, aber das Quartett wirft sämtliche Energie und literweise Herzblut in die Produktion dieses feinen Punkrock-Albums und genau diese Hingabe merkt man jeder Sekunde der knapp 36 Minuten an.

'Auftakt' ist bereits so dermaßen dicht und dynamisch - und das obwohl "nur" eine kurze Standortbestimmung in Erzählweise passiert. Aber diese flirrende, hintergründige Aggression erinnert an den Verzweiflungshardcore solcher Granaten wie Modern Life Is War. Nach diesem beeindruckenden Intro, geht es mit 'Nein' sogleich in die Vollen. Vollgas mit abrupten Zwischenstopps versehen, aber immer gradlinig auf der feinen Linie zwischen Punkrock und Hardcore unterwegs. Nachdem 'Seuche' die Wut kanalisiert hat, wird es mit 'Alltag' melancholisch, aber niemals beliebig. Auch wenn der Song ruhiger angelegt ist, bricht er zwischenzeitlich aus und driftet sogar in Post-Rock-Gefilde, was der Band sehr gut steht - Unterstützung gab es bei dem Track übrigens von der befreundeten Band Vizediktator - schöne, weil passende Kolloboration.

Bei 'Kopflos' und 'Fin.' zeigen VAL SINESTRA wiederholt, dass sie auch straighte Strukturen aus dem Effeff beherrschen und mit eingängigen Melodien unterfüttern können. Beim Song 'Königin', der zwar irgendwie hektisch und atemlos empfunden wird, aber im Laufe der Zeit enorm viel Charme entwickelt, werden die Berliner wieder unterstützt - Gastsänger ist diesmal Jo, der Indie-Rock-Sensation Milliarden. Sein Support gibt dem Lied die richtige Würze.

Zum Ende von "Zerlegung" wird nochmal deutlich, dass VAL SINESTRA sicherlich vom Schaffen eines Frank Carter beeinflusst und dem musik-anarchischem Tun von The Bronx nicht gänzlich abgeneigt sind. Aber auch Fans von den Comeback-Refused dürften mit der Platte ihre helle Freude haben. Denn 'Dreck', 'Zusammenbruch' oder 'Schatten', die am Ende des Albums platziert sind, machen die Nachdrücklichkeit, mit der VAL SINESTRA agieren, nochmal mehr als deutlich.

Album-VÖ: 27.11.2020