(Pure Noise Records / Membran / The Orchard)

Wenn ein neues Album von LESS THAN JAKE angekündigt wird, weiss man, dass doch nicht alles hoffnungslos ist. Mit ihrem typischen Mix aus melodischen Punkrock mit umwerfenden Ska-Einschüben, haben sie sich zu innerhalb von drei Dekaden zu einer Referenz des Genres gemausert. Manchmal sind die Platten ska-lastiger, mal wird der Mainstream mit gefälligen Pop-Punk-Perlen bedient - aber immer und jederzeit sind LESS THAN JAKE wiedererkennbar.

Jedes Album hat seine grandiosen Momenten und nach sechs Jahren Longplayer-Pause (2017 gab es das Pure Noise Records-Debüt in Form einer EP namens "Sound The Alarm") erscheint zum Ende des gebrauchten Jahres das neunte Studiowerk "Silver Linings" - und wenn nicht schon Winter wäre, könnte man vom Sommeralbum 2020 sprechen. Soviel sei bereits vorausgeschickt: LESS THAN JAKE finden zu alter Stärke zurück und lassen die Glanztaten "Borders & Boundaries" (2000) und "Anthem" (2003) wieder aufleben.

12 Songs, jede Nummer im gefälligen Drei-Minuten-Kosmos angesiedelt, um die Kurzweiligkeit durchgehend zu gewährleisten. Bereits der Opener 'The High Cost Of Low Living' hat alle LTJ-Trademarks. Ein eingängiger Punkrocker, der mit einem catchy Refrain überzeugt und eine Bläsersektion, die unaufdringlich aber markant den Track nach vorne treibt. 'Lie To Me' funktioniert nach den gleichen Prinzip - spätestens bei der Bridge zum Chorus stellen sich die Haare am Unterarm von alleine auf, weil nostalgische Gefühle den Fan (mich!) überwältigen und fast zum Weinen bringen.

Die hohe Qualität an enthusiastischen Ska-Punk-Liedern nimmt auch im weiteren Verlauf der Platte nicht ab. 'Keep On Chasing', 'Anytime And Anywhere' oder das wundervolle 'Dear Me' (aber ausfaden, really?) zeigen LESS THAN JAKE in Höchstform. Und um "Silver Linings" mit weiteren Highlights zu fluten, werden Songs wie 'Monkey Wrench Myself' oder 'King Of The Downside' locker aus der Hüfte nachgereicht. Dann wird zwischendrin eine kleine Verschnaufpause eingelegt, damit man bei 'Lost At Home' mit einem breiten Grinsen locker skanken kann.

LESS THAN JAKE haben mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung die Fähigkeit entwickelt den perfekten Punkrock-Song zu entwerfen, der sich nicht scheut poppige Melodien zuzulassen, aber jederzeit fokussiert und authentisch aus den Boxen fliesst. Klar ähneln sich Melodien und die Bläsereinsätze sind auch wenig überraschend platziert - aber wer Songs wie 'Bill' so frisch und vereinnahmend klingen lassen kann, darf sich bei einem Repertoire von weit über 200 Songs auch gerne wiederholen.

'So Much Less' beschliesst melancholisch-emotional eine beeindruckende Performance, die LESS THAN JAKE mit "Silver Linings" auf's Tanzparkett legen. Mit der Platte gelingt der Band aus Gainesville/ Florida das Kunststück, dass man dieses beschissenen Jahr zumindest mit einem guten Gefühl beenden kann und hoffnungsvoll in die nahe Zukunft schaut (betrifft auch die geplante Tour von LESS THAN JAKE und die Situation tausend anderer Bands/Kulturschaffenden). Und jetzt ein hingebungsvolles: FUCK OFF, 2020!

Album-VÖ: 11.12.2020