(Super High Quality / Cargo)

Und auch THE WAR ON DRUGS legen den Finger in die Wunde. Immer noch keine Live-Konzerte und das wird auch noch seine Zeit dauern. Als Kompensation kann man nun das erste Live-Album der Bandgeschichte auflegen und am besten mit Noise-Cancelling-Kopfhörern im Ersatzerlebnis versinken.

Den Kern von "Live Drugs" bildet das bisherige Band-Meisterwerk "Lost In The Dream". Fünf der zehn Tracks stammen vom 2014er-Album und auch sechs Jahre später sind diese weit davon entfernt Staub anzusetzen. Insgesamt gibt "Live Drugs" einen schönen Eindruck über den Entwicklungsstand der Band. Auf Platte waren die WARS ohnehin schon immer erhaben, doch auch live haben sich die Grammy-Gewinner inzwischen in die allererste Riege der Alternative-Live Künstler gespielt. Wie gut die melancholisch angehauchten Stücke, die sich immer irgendwo zwischen Shoegaze und softem Indie-Rock bewegen, in einem Live-Set klingen können, beweist bereits der Opener 'An ocean in between the waves'. Alle Tracks werden maximal ausgereizt und bekommen ausgiebige Instrumentalparts spendiert, welche die Stücke dann auch gerne mal an die zehn Minuten-Marke treiben.

Der hier verlinkte Clip ist zwar nicht die Aufnahme die man auf "Live Drugs" zu hören bekommt, aber das Arrangement ist das gleiche. Ohnehin bildet das Album keinen Konzertmittschnitt ab, sondern ist eine zehn Song starke Essenz aus über 40 in den letzten Jahren aufgenommenen Livesongs. Als Vorab-Auskopplung entschied man sich bereits im Vorfeld für den Band-Hit 'Pain'. Das einen auf dem Livealbum ein kristallklarer Sound erwartet, beweist in diesem Fall der Original-Mitschnitt, welchen man als Audioclip via Youtube hören kann:

Weitere Fixpunkte des Albums dürften das Warren Zevon-Cover 'Accidentally Like A Martyr' sein, das sich über die Jahre nicht nur bei den Fans zu einem Publikumsliebling gemausert hat („So simple and true, you should ever be lucky to write a song that simple" - Adam Granduciel über den Track). Fans besonders ausufernder Livetracks sollten mit der über zwölfminütigen Version von 'Under The Pressure' bestens bedient werden und auch ein verpöntes Saxophon-Solo im Outro von 'Eyes To The Wind' kann dem Track nichts anhaben.

Insgesamt liefert "Live Drugs" ein wunderbares Mittel um die Entzugserscheinungen in Bezug auf Konzertbesuche etwas abzumildern. Wirkliche Easter Eggs verstecken die Jungs auf dem Album aber auch nicht. Was besonders schade ist, wenn man bereits weiß, dass die Band im Studio am Nachfolger von "A Deeper Understanding" tüftelt und mit 'Ocean Of Darkness' bereits ein neuer Song in der Pipeline steht, den man auch schon bei Jimmy Fallon live gespielt hat. Als Fan-Service hätte man diesen durchaus ergänzen können.

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Under The Pressure'

Album-VÖ: 20.11.2020