(Arising Empire)

Eigentlich sollte "Aurora" von ANNISOKAY schon im vergangenen Dezember erscheinen, dank der, leider immer noch anhaltenden Pandemie, verschob sich der Release aber nun auf Ende Januar. Dabei warten nicht nur die Hardcorefans schon sehr gespannt auf dieses Album, welches ja das Erste mit neuem Shouter Rudi Schwarzer am Mikrofon ist. Die Jungs wurden über die Jahre immer bekannter und brachten mit "Arms", im Jahre 2018, eine echt starke Platte auf den Markt. Nun also Vorhang auf für "Aurora".

Die neuen Shouts fallen bei 'Like A Parasite' sofort auf, Rudis Stimme ist eine ganze Ecke dunkler, als die von Ex-Shouter Dave Gruenwald. Deswegen hat es schon einen gewissen neuen Vibe. Aber sobald Christoph Wieczorek mit seinen Clean Vocals anfängt, fühlt man sich sofort zu Hause. Und auch der instrumentale Aufbau ist einfach genau so, wie man es bei einem ANNISOKAY Song erwartet. Wofür die Abkürzung 'STFU' steht muss man wohl niemanden hier erklären, aber trotz diesem Namen kommt der Song überraschend melodisch daher. Es gibt ein paar schöne Breakdowns, aber der Fokus liegt eher auf der Melodie und auch die elektronischen Spielereien die man bei der Band gewohnt ist, kommen hier sehr deutlich zum Tragen.

Fast traditionell wirkende Klänge leiten dann 'The Tragedy' ein, bei dem die Shouts oft nur ganz leise wahrzunehmen sind. Insgesamt scheint der Fokus immer mehr in Richtung emotionale Clean Vocals und packende Melodien zu gehen. Das hatte sich bei den letzten zwei Alben schon angekündigt und sollte einen daher nich allzu sehr überraschen. 'Face the Facts' wurde bereits im August als Video veröffentlicht, aber diese geilen Main Riffs werden einfach nicht alt! Was für eine grandiose Arbeit an der Gitarre und auch sonst ist das Stück ein Knaller! Einfach anhören und sich weggeblasen fühlen. 'Overload' kommt mit einer gehörigen Dance Attitüde daher, was sicherlich nicht jedem gefallen wird, aber sich schon verdammt cool anhört. Auf jeden Fall bringt es ein bisschen Abwechslung in den Mix.

Photo by Benjamin Pohle

'Bonfire of the Millennials' hat einen wirklich guten Refrain, der super schnell ins Ohr geht und auch der Text kann sich hören lassen, aber eigentlich ist es viel interessanter über 'The Cocaines Got Your Tongue' zu reden. In meinen Augen handelt es sich hierbei um einen bockstarken Anti-Drogen Song. Die Strophen werden als Rap vorgetragen und geben dem Lied ein gewisses Crossover-Feeling. Dazu gibt es wieder geile Riffs und so entsteht eine extrem wilde Mischung. Das muss man nicht mögen, aber wenn man es tut, hat man eine Menge Spaß. Bei 'Under Your Tattoo' kommt dann Rudi erstmal wieder mehr in den Vordergrund und es ensteht schnell der klassische ANNIOSKAY Sound, wie man ihn seit Jahren gewohnt ist. Tatsächlich müsste es die Nummer auf 'Aurora' sein, welche am meisten davon bietet, was sich die Fans von einem Lied eben dieser Band wünschen. Ein sehr starkes Stück Musik, mit einem wunderbar emotionalen Ende.

Nach so einem Kracher hat es 'The Blame Game' natürlich nicht einfach, hier geht es für "Aurora" Verhältnisse recht agressiv zur Sache, aber irgendwie will der Funke nicht so ganz überspringen. Das Gitarrensolo von 'I Saw What You Did' bleibt da schon besser im Kopf und zusammen mit dem Vorgänger bildet es sowas wie die agressive Spitze des Albums. Für die Fans, die die CD bis dahin zu melodisch fanden, wird hier nochmal ordentlich nachgeholfen. 'Standing Still' ist da wieder genau das Gegenteil und kommt eher leichter, dafür aber umso emotionaler um die Ecke. Ich würde sogar behaupten, dass Christophs Gesang so emotional und die Melodie so gut ist, dass ich es als mein Lieblingstrack auf "Aurora" bezeichnen mag. Persönlich kann ich es kaum abwarten das Lied mal live zu hören und dabei eine wohlige Gänsehaut zu verspüren.

Stark elektronisch und mit vielen Dance-Einflüssen gibt sich dann 'Friend or Enemy' die Ehre und zeigt nochmal, dass sich ANNISOKAY nicht so einfach in eine Schublade stecken lassen. Diese These wird gleich darauf von 'Terminal Velocity'  eindrucksvoll untermauert, welches einen sehr schönen Schlusspunkt setzt.

"Aurora" ist ein Album welches bei jedem weiteren Durchlauf immer stärker wird und zeigt das ANNISOKAY nicht vor Experimenten zurückschrecken. Dabei wird es sicherlich auch Hörer auf dem Weg verlieren, aber das nur um Neue dazu zu gewinnen. An das direkte Vorgängeralbum "Arms" kommt man vielleicht nicht heran, aber trotzdem bleibt eine starke Scheibe, welche sich noch länger hier auf dem Plattenteller drehen wird.

Anspieltipps: 'Face the Facts', 'Under Your Tattoo', 'Standing Still'

Album-VÖ: 29.01.2021