(Eigenvertrieb)

Die alten Männer und der Punkrock! 🙂 So könnte man das Trio JELLY BRAINS aus München kurz umschreiben. Alles wird DIY gemacht (Produktion, Layouts, Vertrieb) und der Spass steht im Vordergrund ohne den hinderlichen Gedanken an Gewinnmaximierung. Die Konzerte werden eigenständig organisiert und im vorletzten Jahr wurde "Olé!" veröffentlicht, welches es sogar bei Spotify zu hören gibt.

JELLY BRAINS spielen schnörkellosen Punkrock, der recht oldschoolig klingt und zwischen Deutschpunk und englisch getexteten Songs angesiedelt ist (die zuweilen sogar an alte Adolescents erinnern). Mit "Post Mortem" wurde Ende letzten Jahres das neue Album veröffentlicht. Bestellt Euch die CD direkt bei der Band - ihr werdet mit einer liebevollen Aufmachung belohnt, die jeweils ein Unikat ist - da hat sich jemand echt Mühe gemacht. Musik ist zeitlos, deswegen ist eine verspätetete Review durchaus okay, denke ich.

'Motormouth' ist eines der halben Dutzend Songs, die in englisch gesungen sind und das Album mit einem Sound eröffnet, den man heutzutage viel zu selten hört. Drängend, ohne an Eingängigkeit einzubüßen. Danach folgt 'Haus Ohne Fenster', der die Jungs (Männer 😉 ) in ihrem Element zeigt, was durch das nachfolgende 'Illegal' nochmals auf die Spitze getrieben wird. Politische Texte, die die Wut spürbar macht. Immer schön auf dem Gaspedal - Uptempo bekommt da teilweise eine ganz eigene Definition verpasst - siehe auch 'Fuck Surveillance Capitalism'.

Erstmals tanzbarer und rhythmusorientierter wird es mit 'Dance Floor Hooligan', der einen entspannten Ska-Beat präsentiert. Im weiteren Verlauf setzt sich aber der eingeschlagene Weg des fokussierten und ernsthaften Punkrocks durch ('Opportunist', 'Du Bist Dabei'). Und gerade das macht JELLY BRAINS aus. Viel zu selten hat man hierzulande die Chance eine Band zu erleben, die aus ihrer Profession das Optimum rausholt ohne sich anzubiedern zu müssen. Wenn es dann sogar fast hardcorig wird, wie bei 'Deckchair On The Titanic' (NeinNeinNein schiesst mir durch den Kopf) ist auch der Punkt Abwechslungsreichtum ausreichend abgedeckt.

Jelly_Brains_Photo_by_Jelly_Brains

Jelly Brains Photo by Jelly Brains

"Post/Mortem" ist ein tolles Punkrock-Album. Zugegebenermaßen mit wenig Eleganz ausgestattet, dafür mit dem Herz am rechten Fleck (also weit links!!) - nach mehrmaligen Hören kristallisieren sich sogar richtige Hits heraus (bei mir z.B. 'Spy Vs. Spy'). JELLY BRAINS sollten (wenn sie denn Bock hätten aus ihren versifften bayrischen Kellerclubs raus zu wollen) gerne mal die Proberäume der Republik bespielen. Macht live bestimmt 'ne Menge Laune.

https://www.facebook.com/Jelly-Brains-258595914182430/

Album-VÖ: bereits erhältlich