(The Dead Daisies Pty Ltd. / SPV)

Wenn man sich die Biographie von THE DEAD DAISIES zu Gemüte führt, kommt nicht umhin, dass das Band-Konzept als Auffangbecken für gestandene und prominente Hardrock-Musiker zur Verfügung steht. Das Line-Up wechselt nämlich bei jedem Album munter durch, einzig Gründungsmitglied David Lowy ist der Fixpunkt,der THE DEAD DAISIES ausmacht. Für das nunmehr sechste Studioalbum "Holy Ground" haben sich Menschen zusammengefunden, die bereits mit Whitesnake, Ozzy Osbourne, Alice Cooper oder Deep Purple Erfolge einfahren konnten. Der bekannteste Name dürfte der des aktuellen THE DEAD DAISIES-Sängers sein - niemand Geringeres als Glenn Hughes stellt seine Röhre in den Dienst der Sache.

Was einen hier musikalisch erwartet, ist bei der Zusammenstellung der beteiligten Künstler sicherlich nicht so schwer herauszufinden - es gibt den obligatorischen Hardrock, der verdammt dick produziert ist und ein ums andere Mal Classic-Rock-Referenzen präsentiert. Wenig spektakulär das Ganze, dafür fokussiert und ernsthaft .

Der Titelsong 'Holy Ground (Shake The Memory)' eröffnet ziemlich tight und kann mit stampfenden Beat und überraschend frischen Riffing überzeugen. Dazu der unnachahmliche Gesang von Mr. Hughes und das Händchen für einen eingängigen Refrain. Die Matte darf gewirbelt werden, die Pommesgabel ist spätestens ab dem Gitarrensolo in freudiger Schockstarre. Beeindruckend wie Glenn Hughes mit fast 70 Jahren die Töne hält und die Balance zwischen Aggressivität und Schönheit hinbekommt. Auch der nachfolgende Track 'Like No Other' kann überzeugen und schlägt musikalisch in eine ähnliche Kerbe - Hardrock as its best. 'Come Alive' ist erstmals ein Beispiel für sehr konventionellen, fast schon konservativen (und damit überraschungsarmen) Rock auf dem Album vertreten. Klar, das ist unglaublich dicht und straight produziert - allerdings fehlen die Kanten, an denen man sich stoßen kann, damit der Song im Gedächtnis haften bleibt.

So ein Lied ist z.B. 'My Fate', welches mit seinen Grunge-Gitarren für ein wohliges Gefühl sorgt und damit die erste Hälfte von "Holy Ground" beschliesst. Was man THE DEAD DAISIES nicht vorwerfen kann, ist, dass sie die sichere Nummer von Midtempo-Nummern und Balladen gewählt haben, um den bärtigen Frührentner abzuholen, sondern dick auftragen und donnernd abliefern. Wer also mit der Sleaze-Riege um Guns 'n Roses, Skid Row und Mötley Crüe sozialisiert wurde, kann sich an den Songs von THE DEAD DAISIES definitiv satt hören. Der Mix aus moderner Produktion und traditionellem Hardrock funktioniert erstaunlich gut.

'Chosen And Justified' ist der optimale Roadtrip-Soundtrack, während 'Saving Grace' die Riffs in den Mittelpunkt stellt und '30 Days In The Hole' fast schon 70s-Stadion-Rock atmet inkl. Pathos und angenehmer Leichtigkeit.

Im Großen und Ganzen ist "Holy Ground" ein unvermutet gutes Album geworden, was die alten Herren von THE DEAD DAISIES in prächtiger Spiellaune zeigt. Wenn man Bock auf Hardrock der alten Schule hat und gewissen Finessen nicht abgeneigt ist, dürfte dies das aktuell perfekte Album dafür sein, um sein/ihr Bedürfnis zu befriedigen.

Album-VÖ: 22.01.2021