(Epitaph Records/ Indigo)

Wir hatten ja bereits das Vergnügen, das Debütalbum namens "Chrome Neon Jesus" von TEENAGE WRIST besprechen zu dürfen und waren recht angetan von dem präsentierten Sound. Hier nochmal zum Nachlesen:

TEENAGE WRIST – Chrome Neon Jesus

Nun gibt es also nach fast drei Jahren neues Material - die aktuelle Platte trägt den etwas nihilistischen Titel "Earth Is A Black Hole". TEENAGE WRIST waren als nächstes großes Ding gehandelt worden, den Durchbruch in den Mainstream haben sie aber (zum Glück?) nicht geschafft. So konnten sich die Jungs ganz auf's Schreiben neuer Songs konzentrieren, die noch ausgefeilter daherkommen und den Faktor Nostalgie nicht zu kurz kommen lassen. War es beim Vorgängeralbum der beeindruckende Shoegaze-Ansatz, versuchen TEENAGE WRIST nun mit Gefühlsausbrüchen ihren Sound zu verfeinern - der emoeske Ansatz ist kein Neuer, aber gut gemacht immer ein Ereignis. Mal sehen/hören, was die Band aus L.A. anbietet.

'Squeeze (Intro)' ist schonmal ein wunderbarer Start. Instrumental, Collegerock-Rhythmen mit ein bisschen Feedback und der gelungene Übergang zu 'Taste Of Gasoline' der an erfolgreiche Taking Back Sunday-Zeiten erinnert. Nette Dynamik und entspanntes Midtempo - dazu ein Refrain, den man nach dreimaligen Hören drauf haben kann. 'New Emotion' nimmt den eingeschlagenen Pfad auf, ohne nach rechts oder links zu blicken - die Produktion ist klar definiert und überlässt wenig dem Zufall. Es fehlen bereits am Anfang der Platte notwendige Reibungspunkte. 'Yellowbelly' startet wie ein Tom Petty-Song, um dann in das übliche Schema abzudriften. So setzt sich das (leider) erstmal fort - auch 'Silverspoon' ist im Grunde kein schlechtes Lied, aber die Gleichförmigkeit der bisher gehörten Songs wirkt schnell ermüdend. Spätestens nach 'Wear U Down' kann das Interesse immens abflachen, denn Überraschungen bleiben weiterhin aus.

Eventuell muss man sich, wie beim Vorgängeralbum, zurücklehnen und die Songs konzentriert wirken lassen. Vielleicht besteht die Kunst auch darin, "Earth Is A Black Hole" nicht als Ganzes am Stück zu hören, sondern sich seiner eigenen Befindlichkeit entsprechend Tracks herauspicken, die die eigene Emotion widerspiegelt? Das wiederum bedeutet, dass man sich Mühe machen und die Platte erforschen muss, was einem aber nicht unbedingt einfach gemacht wird, da der Wille der Band, einen perfekten, gefühlsbetonten Song zu schreiben, Langeweile auf höchsten Niveau kreiert. 'Wasting Time' (ausgerechnet 🙂 ) reisst etwas aus und hat endlich mal etwas Schwung im Arsch. Kleine Punk-Kante mit einem Millenium-Foo Fighters-Vibe. Cooler Song, der von dem ebenfalls sehr guten Titelsong abgelöst wird. Was ist nun los? TEENAGE WRIST zeigen im Endspurt der Platte nochmal auf formidable Art, was in ihnen schlummert. Den Abschluß bildet 'Stella', der viereinhalb Minuten vor sich hindümpelt und der Platte keinen Gefallen tut.

Vielleicht waren die Erwartungen zu hoch und vielleicht waren TEENAGE WRIST auch niemals so bemerkenswert, wie von der "Fach"-Presse gepriesen? Keine Ahnung woran es schlussendlich liegt, aber "Earth Is A Black Hole" ist nicht der große Wurf. Natürlich hat das Werk seine Daseinsberechtigung, aber der Weg zu einem Klassiker bzw. All-Time-Favorite ist ein Weiter.

Album-VÖ: 12.02.2021