(earMUSIC/ Edel Germany)

Vor kurzem feierte Vincent Damon Furnier, besser bekannt als ALICE COOPER, seinen 73. Geburtstag. Da das Rentner-Dasein auf die lebende Rock 'n Roll/Hardrock-Legende offenbar keinen Reiz ausübt, hat sich der gute Herr einfach selbst ein Geschenk gemacht und veröffentlicht dieser Tage sein 28. (!) Studioalbum, welches seine Karriere, die mittlerweile über ein halbes Jahrhundert andauert, perfekt darstellt. Denn "Detroit Stories" ist eine Ode an seine Heimatstadt - ein Ort, der schon immer gesprägt von Krisen war und eigentlich nur existiert, weil die Autoindustrie vor einigen Jahrzehnten ihre Produktion vornehmlich dort platzierte.

ALICE COOPER erzählt auf seiner neuen Platte Geschichten, die die Hassliebe zu seiner Stadt widerspiegelt und abwechslungsreicher gestaltet ist, als vieles davor. Klischeebeladenen, theatralischen Hardrock kennt man mittlerweile ja zu Genüge - hier lässt der Großmeister der Düsternis Einflüsse zu, die im ersten Moment verwirren (Erwartungshaltung und so) und dann ziemlich schnell begeistern, ob der Kreativität im Songwriting.

Mit dem von Lou Reed geschriebenen 'Rock 'n' Roll' eröffnet das Album standesgemäß und beeindruckt weniger mit dem Midtempo-Rocksong, sondern mit der Stimme von Mr. COOPER, die die letzten Jahre selten so klar und frisch geklungen hat. Entweder hat der Produzent Wunder vollbracht oder A.C. ist in einen Jungbrunnen gefallen. Wie auch immer, schöner Einstieg ins Album, welches die ein oder andere Überraschung parat hält. So z.B. der nachfolgende Punk-Rock-Klopper 'Go Man Go', bei dem man die Beteiligung von Wayne Kramer (u.a. MC 5) am Songwriting durchaus heraushört. Macht mächtig Laune. So wie auch das fröhliche 'Our Love Will Change The World', welches mit einem nachdenklichen Text den musikalisch-positiven Ansatz konterkariert. Der Song hat diesen unnachahmlichen englischen Singer/Songwriter-Vibe, den ein Frank Turner perfektioniert hat und dem dieses Lied auch gut stehen würde.

Mit 'Social Debris' konzentriert sich ALICE COOPER wieder auf seine Kernkompetenz und schenkt uns den nächsten Instant-Midtempo-Hardrock-Hit. 🙂 Weitere Gäste auf "Detroit Stories" sind übrigens Sister Sledge, die mit ihrem tollen Backgroundgesang '$1000 High Heel Shoes' verschönern. Ein entspannter Blues-Rocker in Form von 'Hail Mary' oder 'Drunk And In Love' darf natürlich ebenso nicht fehlen, wie die rockende Vertonung des Ist-Zustands von 'Detroit City 2021''Independence Dave' erinnert an einen aussortierten Song aus dem Rocky Horror Picture Show-Musical, während das humorige 'I Hate You' für Kurzweil sorgt, wenn sich alle beteiligten Musiker gegenseitig beleidigen und ihr Fett wegkriegen. Hatte einen kurzen Lachanfall. 🙂

Sehr ernst und wichtig ist 'Don't Give Up' angelegt, der das Thema Suizid beeindruckend präsentiert und im Text mit der landesweiten Notfallnummer wirbt. Um das Album rund abzuschliessen kommen noch zwei astreine Rock-Songs zum Zuge in Form von 'Shut Up And Rock' und den 70er-Heartland-Rocker 'East Side Story', der von Bob Seger geschrieben wurde.

Persönlich hatte ich ALICE COOPER seit einigen Jahren aus den Augen/Ohren verloren und die Angekündigung eines neuen Albums hat nicht mehr als ein Schulterzucken provoziert - nachdem aber die ersten Songs ausgekoppelt wurden, wurde ich hellhörig und ich muss gestehen, dass mich "Detroit Stories" komplett abgeholt und mitgenommen hat. Bin sehr beeindruckt und finde den Ansatz neue Stilmittel auszuprobieren sehr mutig von Mr. COOPER. Da es wunderbar funktioniert - alles richtig gemacht!

Album-VÖ: 26.02.2021