(Epitaph Records)

Im Jahr 2018 kamen ARCHITECTS mit "Holy Hell", und damit ihrem ersten Album seit dem Tod von Tom Searle, um die Ecke. Es handelte sich um ein sau starkes Teil, welches genau das bot, was die Fans von der Band erwartet haben. Nun zweieinhalb Jahre später steht mit "For Those That Wish To Exist" die nächste Platte an und es ist nicht mehr ganz so einfach. Bereits die ersten Singles deuteten es an, der Sound der Band hat sich auf einmal doch ein bisschen geändert und mit 15 Stücken und fast einer Stunde Spielzeit, ist es auch ein recht langes Album geworden.

'Do You Dream Of Armageddon?' ist ein recht kurzes Intro, bevor es mit 'Black Lungs' das erste Stück in voller Länge gibt. Und bereits hier fällt es auf, es ist nicht so hart, der Sound deutlich massentauglicher, der Gesang klarer und von weniger Agressionen durchzogen. Man kann es sich gut anhören, aber grade für den Start einer Platte ist es mir irgendwie zu wenig. Auch das folgende 'Giving Blood' will nicht so richtig bei mir zünden. Irgendwie bleibt mir da doch zu wenig von dem gewohnten ARCHITECTS übrig. Natürlich darf sich eine Band ändern und ich finde Bring Me The Horizon schaffen das nun eine ganze Zeit lang wirklich fabelhaft, aber hier wirkt alles etwas zu zahm und generisch.

Grade im instrumentalen Teil erinnert dann 'Discourse Is Dead' an die alten Zeiten, aber muss es wirklich so ein lahmer Refrain sein? Auch hier fällt wieder ein Fokus auf Streichinstrumente ins Auge und insgesamt kommen gewisse orchestrale Elemente zum Tragen, welches dann beim Beginn von 'Dead Butterflies' richtig stark zur Geltung kommt. Hierbei handelt es sich eh um ein ruhiges Stück, fast balladesk und daher passt es auch sehr gut. Bisher ist es auch das Lied, welches mir am meisten zusagt, da man die Emotionen wirklich spüren kann. Sehr elektronisch geht es mit 'An Ordinary Extinction' weiter, welches sonst aber leider wenig andere Aspekte setzen kann, um mich für sich zu gewinnen.

'Impermanence' hat als Gast Winston McCall von Parkway Drive dabei. Allerdings hätte man ihn auch gerne ein bisschen öfter ans Mikro lassen dürfen. So wirkt sein Einsatz ein bisschen verschenkt, dafür gefällt es mir, dass das Stück mit ein paar gewissen Härten daher kommt. 'Flight Without Feathers' bremst das Album sofort wieder aus und kommt wie ein laues Lüftchen elektronischer Pop-Rock daher. Darf man sicherlich mögen, aber für mich der absolute Tiefpunkt bisher. Mike Kerr  bringt sich bei 'Little Wonders' deutlich mehr ins Spiel als Winston bei seinem Feature, aber warum wirkt das Teil wie ein Bring Me The Horizon Rip-Off? Das kommen die Stärken von ARCHITECTS leider überhaupt nicht mehr zum Tragen.

Photo by Ed Mason

Mit viel Energie und Stellen zum Mitsingen kann mich dann immerhin 'Animals' wieder für sich gewinnen. 'Libertine' wirkt einfach wie schon zig mal gehört mit seinen "Oh"-Chören und holt wahrscheinlich kaum jemanden mehr hinter dem Ofen hervor. "Endlich mal fette Riffs", das waren dei ersten Gedanken welche ich bei 'Goliath' hatte und später kommen dann sogar noch Blastbeats dazu. Sehr schön, dass es doch noch solche Lieder auf "For Those That Wish To Exist" geschafft haben. 'Demi God' setzt wieder vollends auf den Orchesterfaktor, schafft es aber auch bei Durchgang fünf noch nicht sich irgendwo in meinem Gehörgang platzieren zu können.

'Meteor' ist so eine typische Singlenummer, mit einer sehr schnell greifbaren Melodie, welche alles darauf setzt möglichst viele neue Hörer für sich zu gewinnen. Das macht Spaß, aber ist nun auch nicht der ganz große Wurf den man sich noch einmal zum Ende hin gewünscht hätte. Letztendlich enden tut es dann mit einer Akustikgitarre und 'Dying Is Absolutely Safe'. Mit fünf Minuten ist es das längste Lied und entlässt uns mit einer Feelgoodatmosphäre wieder zurück in unsere Welt.

Die Messlatte lag nach "Holy Hell" einfach unglaublich hoch und nach den Singles war es auch zu erwarten, dass sich ARCHITECTS nun doch auch in eine andere Richtung entwicklen wollen, aber muss man dafür so viele gewohnte Stärken opfern? Dazu ist "For Those That Wish To Exist" einfach hoffnungslos zu lang geworden. Die 15 Lieder tragen in keinster Weise die knappe Stunde Laufzeit, dafür sind sie leider viel zu gleichtönig und höhepunktlos. Sicherlich wird man die ein oder anderen Fans dazugewinnen und auch viele Bestehende dürften durchaus noch zufrieden sein, aber für mich war das leider eine ziemliche Enttäuschung. Nicht falsch verstehen, es handelt sich hierbei nicht um eine schlechte Platte, aber leider auch nur um eine ziemlich Generische, welche gewohnte Stärken vermissen lässt.

Anspieltipps: 'Dead Butterflies', 'Animals', 'Goliath'

Album-VÖ: 26.02.2021